BACtwin 2026 ist da

Drei Änderungen, die dein nächstes Projekt verändern

Am 09. April 2026 abends um 19:33 Uhr kam die Mail: AMEV hat BACtwin 2026 veröffentlicht.

Die Aufregung stieg. Ich musste natürlich direkt Alarm schlagen — direkt auf LinkedIn geteilt. 2.701 Impressionen, 54 Reaktionen, 13 Kommentare, 5 Reposts. Die GA-Community war dabei.

Und da ist er: der BACtwin 2026. Stand 22.03.2026. AMEV Empfehlung Nr. 174, Version AMEV1.2.

Keine Revolution. Aber eine Reihe Präzisierungen, die im Projektalltag richtig Geld und Nerven sparen — wenn du sie kennst.

Was du in diesem Artikel lernst

  • Problem
  • Begriffe
  • Praxisszenen
  • Fazit

Problem

Ich habe mir die neue Version angeschaut und drei Themen rausgezogen, die aus meiner Sicht den größten Unterschied machen:

  • BAS-Anwendung nach Leistungsphasen — endlich Klarstellung, aber mit einem Haken
  • Value-Objekte — AV, BV, MV sind nicht mehr einfach "Value"
  • Gewerkekürzel nach VDI 3814 Blatt 4.1 — nicht nur Kostengruppen

Begriffe

BACtwin 2026 (AMEV Empfehlung Nr. 174)

Der BACtwin 2026 ist die überarbeitete AMEV-Empfehlung für BACnet in öffentlichen Gebäuden. Er definiert verbindlich, wie GA-Systeme strukturiert, adressiert und dokumentiert werden sollen — in Leistungsphasen, auf Objektebene und mit einheitlichen Kürzeln. Die vollständige Empfehlung ist kostenlos auf amev-online.de erhältlich, inklusive Bibliothek 1, 2 und 3 als XLSX mit eigenem Änderungsverzeichnis.

KB / SB / LB — die drei Value-Objekt-Arten

BACtwin 2026 definiert in Abschnitt 4.3 erstmals drei Verwendungsarten für Value-Objekte (AV, BV, MV):

  • KB — kommandierbar: verhält sich wie ein Output-Objekt, braucht Priority_Array und Relinquish_Default. Beispiel: Stellsignal mit AV-Objekt
  • SB — schreibbar: Parameter für Regelung oder Steuerung, kein Priority_Array nötig. Beispiel: Sollwert, der beschrieben wird, aber nicht kommandiert
  • LB — lesbar: verhält sich wie ein Input-Objekt, kein Priority_Array, Present_Value nur über Out_Of_Service beschreibbar. Beispiel: Rückführwert, berechneter Sollwert

BGS — Baugruppenkennzeichnungsschlüssel

Eine neue Ebene, die BACtwin 2026 einführt und die in der VDI 3814 so nicht existiert. Der BGS wird in LP 3 angesiedelt — zwischen der Anlagenebene (AKS, LP 2) und der Betriebsmittelebene (BKS), die im BACtwin auf LP 5 rutscht. Das schafft eine klarere Strukturierung, erzeugt aber gleichzeitig Widersprüche zu bestehenden Normen.

BACtwin 2026 ist keine Revolution — aber eine Evolution an den richtigen Stellen. Wer die drei Änderungen kennt, hat eine verbindliche Grundlage für Leistungsphasen, schließt die AV-Lücke in der Funktionsliste und macht seinen BAS zukunftssicher.

Praxisszenen

Szene 1: BAS nach Leistungsphasen — endlich verbindlich, aber mit einem Haken

Das ist die wichtigste Änderung im BACtwin 2026. In Abschnitt 4.1 und Abbildung 11 (als Arbeitsblatt 4.3 "BAS nach LP" in Bibliothek 1) legt der AMEV jetzt fest, in welcher Leistungsphase welcher Teil des BAS-Adressierungsschlüssels anzuwenden ist.

Die Zuordnung nach BACtwin 2026 im Vergleich zu VDI 3814 Blatt 2.2:

LPVDI 3814 Blatt 2.2BACtwin 2026
LP 2Anlagenebene (AKS)Anlagenebene (AKS) — wie VDI 3814
LP 3Betriebsmittelebene (BKS)Baugruppenebene (BGS) — neu eingeführt!
LP 5Funktionsebene (BAS)Betriebsmittel + Funktion — BKS rutscht in LP 5

Das ist ein Gamechanger für Diskussionen im Projekt: Seit Jahren streiten wir darüber, wer wann welche Adressierung liefert. Jetzt steht es schwarz auf weiß in der AMEV-Empfehlung.

Der Haken: BACtwin 2026 erwähnt die VDI 6026 Blatt 1 (Inhalt und Darstellung von Dokumenten) mit keinem Wort — genau die Norm, die regelt, welche Dokumente in welcher LP mit welchem Detaillierungsgrad zu liefern sind. Das ist schade.

Praxistipp: Wenn du nach BACtwin 2026 ausschreibst, schreib in dein GA-Lastenheft: „Die Adressierung erfolgt gemäß BACtwin 2026 Abschnitt 4.1 und Arbeitsblatt 4.3 BAS nach LP. Abweichende Regelungen aus VDI 3814 Blatt 2.2 und VDI 6026 gelten nachrangig."

Damit hast du Klarheit — und vermeidest die typische Diskussion in LP 3: „Wer war denn jetzt für das BKS zuständig?"

Szene 2: AV ist nicht gleich AV — Value-Objekte richtig kennzeichnen

Das ist die technisch wichtigste Änderung. Das Problem kennt jeder aus der Praxis:

Planer schreibt in die Funktionsliste: "AV Sollwert Vorlauf." Integrator liefert: AV mit vollem Priority_Array. Betreiber fragt: "Warum kann ich den Wert nicht überschreiben?" Antwort: Weil eine höhere Priorität aktiv ist. Ergebnis: Diskussion, Nachtrag, Frust.

Mit der neuen KB/SB/LB-Kennzeichnung in den Objekt-Templates (Arbeitsblätter 8.2, 8.4 und 8.10 der Bibliothek 2) ist jetzt eindeutig festgelegt, was erwartet wird.

Praxistipp: Übernimm die KB/SB/LB-Kennzeichnung direkt in deine GA-Funktionsliste — am besten als Bemerkung in Spalte 4. Beim nächsten Projekt weißt du auf einen Blick: Reicht ein einfaches SB-AV für den Sollwert — oder brauchst du den vollen Kommando-Stack mit Priority_Array?

Szene 3: Gewerkekürzel — normstabil statt Kostengruppe

Das ist die Änderung, die auf den ersten Blick klein wirkt — aber langfristig die größte Wirkung hat.

Bisher wurde das Gewerk im BAS häufig nur über DIN-276-Kostengruppen adressiert: 420, 430, 480. Problem: Die DIN 276 kann überarbeitet werden (zuletzt 2018). Ein BAS soll aber Jahrzehnte bestehen.

BACtwin 2026 gibt jetzt offiziell die Alternative — die alphabetischen Kürzel nach VDI 3814 Blatt 4.1 (Tabelle 3 Gewerk):

DIN 276BezeichnungVDI 3814 Kürzel
400Technische Anlagen allgemeinTGA
420WärmeversorgungsanlagenHZG
430Lufttechnische AnlagenRLT
434KälteanlagenKAE
440StarkstromanlagenELT
480Gebäude- und AnlagenautomationGAA

Alphabetische Kürzel sind selbsterklärend, normstabil und bei Export-Projekten international verständlicher. Der AMEV empfiehlt weiterhin die numerischen KG für die Verbindung zu BIM und FM — das solltest du wissen, wenn du die Entscheidung in deiner Organisation triffst.

Praxistipp: In der Betreibervorgabe (Tabelle 27, Zeile 9) kannst du organisationsweit festlegen, welche Variante gilt. Triff diese Entscheidung einmal für dein gesamtes Immobilienportfolio — und bleib dabei.

GA-Coach Tipp

Weitere Änderungen im BACtwin 2026 im Überblick

Für alle, die's ganz genau wissen wollen — die anderen Änderungen auf einen Blick:

  • SV-Objekte bekommen Structured_Object_List — alle Anlagen auf Device-Ebene listbar, macht automatisierte Strukturprüfungen einfacher
  • Mindest-Zeichenzahlen Event_Message_Texts gelten jetzt je Übergang — Schluss mit Interpretationsspielraum
  • Aggregat-Modellierung präzisiert — klar geregelt, welche Betriebsmittel zu einem Aggregat gehören (Abschnitt 2.1.5)
  • Nummerierung im BAS-Block präzisiert — TGA-Nummerierung und BAS-Nummerierung müssen konsistent sein (Abschnitt 2.1.9)
  • BAS-Elemente gewerkeübergreifend nutzbar — das EF~ aus Gewerk 480 darf offiziell auch in 430 verwendet werden (Abschnitt 2.1.13)
  • Bezugszeitraum für Verfügbarkeitskennwerte (ZVF, ZAA, ZAD, ZAG) ist jetzt frei wählbar — Tag, Jahr oder was die Anlage braucht (Abschnitt 4.8)
  • Tabelle 27 Betreibervorgabe wurde weiterentwickelt — strukturierter, vollständiger, praxisnäher

Die komplette Empfehlung gibt's kostenlos auf amev-online.de. Bibliothek 1, 2 und 3 jeweils als XLSX mit eigenem Änderungsverzeichnis.

Fazit

BACtwin 2026 ist keine Revolution — aber eine Evolution an den richtigen Stellen.

Die Leistungsphasen-Zuordnung gibt endlich eine verbindliche Grundlage für die Adressierung. Die Value-Objekt-Verwendungsarten schließen eine Lücke, die seit Jahren für Nachträge sorgt. Die alphabetischen Gewerkekürzel machen den BAS zukunftssicher.

Drei Präzisierungen. Großer Unterschied — wenn du sie kennst.

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