Manuelle Kontrolle in der Gebäudeautomation
In fast jedem GA-Projekt taucht sie irgendwann auf – oft wenig geplant, aber im Betrieb extrem wichtig: die LVB.
Viele wissen dass es sie gibt. Wenige wissen, was sie wirklich leisten soll – und wo die typischen Fehler liegen.
❌ Warum ist die LVB so wichtig?
LVB steht für Lokale Vorrangbedienung.
Kurz gesagt:
Eine Möglichkeit, Anlagen oder Komponenten vor Ort manuell zu bedienen – mit Vorrang vor der Automation.
Wichtig dabei:
lokal → direkt an der Anlage / im Schaltschrank
vorrangig → übersteuert die Automatik
eingeschränkt → kein vollwertiger Ersatz für die GA
Typische Beispiele:
Pumpen EIN/AUS
Ventilatoren manuell starten
Klappe öffnen/schließen
Ventil in feste Stellung fahren
- Betriebszustände direkt sehen
Warum gibt es die LVB überhaupt?
Historisch hieß das Ganze „Notbedieneinrichtung“.
❌ Das Problem:
👉 „Not-“ ist heute sicherheitsrelevant normiert – und GA-Bedienungen fallen nicht darunter.
✅ Deshalb der klare Schnitt:
❌ keine Notfunktion
✅ Betriebs- und Servicefunktion
Die LVB ist gedacht für:
👉 Inbetriebnahme
👉 Service & Wartung
👉 Fehlersuche
👉 Betrieb bei Ausfall der Automation
Normative Einordnung (ohne Juristen-Deutsch)
Die Definition ist in zwei zentralen Regelwerken nahezu identisch:
ℹ️ VDI 3814 Blatt 1
Schnittstelle zu Feldgeräten/Komponenten für ein eingeschränktes Betreiben, unabhängig von Automationseinrichtungen, durch vorrangiges Anzeigen, Schalten und/oder Stellen.
ℹ️ DIN EN ISO 16484-2
Lokale Vorrangbedien-/Anzeigeeinrichtung für eingeschränkten Betrieb unabhängig von der Zentraleinheit.
👉 Übersetzt ins GA-Leben:
Die LVB arbeitet auch ohne Automationsstation
Sie übernimmt den Befehl, solange sie aktiv ist
Die GA darf das nicht „wegregeln“
❌ Viele LVB erfüllen, das nicht… Warum?
Sie sind weiterhin abhängig von der Automationseinrichtung oder sind nicht so ausgeführt das sie
Aufbau und Funktionsweise der LVB
ℹ️ Wie ist eine LVB aufgebaut?
Eine LVB besteht typischerweise aus mehreren Komponenten, die zusammen eine lokale Bedienung ermöglichen:
1. Bedienelemente
- Schalter (für binäre Signale: z.B. Pumpe Ein/Aus)
- Potentiometer (für analoge Signale: z.B. 0-100% bei Ventilen)
- Drehschalter (für mehrere Betriebszustände: z.B. Auto, Aus, Ein)
2. Anzeigeelemente
- LED-Leuchten (zeigen den aktuellen Zustand an)
- Digitale Anzeigen (für Messwerte oder Stellwerte)
3. Technische Ausführungsformen
Nach DIN EN ISO 16484-2 kann eine LVB in verschiedenen Formen realisiert werden:
| Ausführungsform | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Getrennte Bedienelemente | Einzelne Schalter und Potentiometer an der Anlage | Schalter direkt am Ventilator |
| Integrierte Module | Bedienelemente in Ein-/Ausgangs-Schnittstellenmodulen | Bedienfeld im Schaltschrank |
| Mit Koppelrelais | Kombination mit Relaislogik | Manuelle Schaltung mit Rückmeldung |
| Spezielle LVB-Module | Dedizierte Module für manuelle Bedienung | Professionelle Bedieneinheiten |
ℹ️ Funktionsprinzip: Wie funktioniert die LVB?
Die LVB arbeitet nach einem einfachen Prinzip:
Benutzer betätigt Schalter/Potentiometer
↓
LVB sendet Signal direkt an Feldgerät
↓
Feldgerät (z. B. Ventil, Pumpe) reagiert sofort
↓
LED oder Anzeige zeigt den neuen Zustand an
↓
Automationseinrichtung ist lokal übersteuert
Wichtig: Die LVB arbeitet parallel zur Automatik, nicht statt ihrer. Das bedeutet: Wenn die LVB aktiv ist, hat sie Vorrang vor der automatischen Steuerung – daher der Name „Vorrangbedienung”.
Bedeutung der LVB in der Praxis
❗Warum ist die LVB so wichtig?
1. Betriebssicherheit
Die LVB ist ein kritisches Anlagenelement. Sie ermöglicht es, Anlagen auch dann zu bedienen, wenn:
- Die Automationseinrichtung ausfällt
- Ein Softwarefehler die Anlage blockiert
- Wartungsarbeiten durchgeführt werden müssen
- Ein Spezialfall schnelle manuelle Eingriffe erfordert
2. Wartung und Instandhaltung
Techniker können Komponenten isoliert testen und überprüfen, ohne die gesamte Anlage zu beeinflussen. Dies spart Zeit und reduziert Risiken.
3. Benutzerfreundlichkeit
Für Betreiber und Nutzer bietet die LVB eine intuitive, lokale Kontrolle – besonders im Fehlerfall, wichtig in großen Gebäuden mit betriebswichtigen Anlagen.
4. Normative Anforderung
Nach VDI 3814 Blatt 1 und DIN EN ISO 16484-2 ist die LVB ein Standard-Element der Gebäudeautomation. Sie ist nicht optional, sondern bewusst zu planen und ein wesentlicher Bestandteil jedes professionellen GA-Systems.
Anforderungen an eine gute LVB
Damit eine LVB ihre Aufgabe erfüllt, müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:
| Anforderung | Bedeutung |
|---|---|
| Ergonomie | Bedienelemente müssen leicht zu verstehen und zu bedienen sein |
| Eindeutige Kennzeichnung | Schalter und Anzeigen müssen klar beschriftet sein |
| Zuverlässige Rückmeldung | LEDs oder Anzeigen müssen den aktuellen Zustand korrekt anzeigen |
| Austauschbarkeit | Module sollten im Fehlerfall schnell austauschbar sein |
| Überwachung durch Zentrale | Die Zentrale sollte erkennen, wenn eine LVB aktiv ist (bald gefordertet im AMEV BACtwin) |
LVB in der Planung und Dokumentation
🖼️ Darstellung im GA-Automationsschema
Die LVB wird nicht zufällig in Planungsunterlagen eingebaut – sie muss systematisch geplant und dokumentiert werden. Nach VDI 3814 Blatt 4.3 gelten folgende Regeln:
ℹ️ Wann wird die LVB geplant?
- Ab Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung) kann die LVB im GA-Automationsschema dargestellt werden
- Diese Darstellung muss durchgängig bis zur Revisionsdokumentation beibehalten werden
ℹ️Wie wird die LVB dargestellt?
Die Darstellung muss folgende Informationen enthalten:
- Art der LVB (Schalter, Potentiometer, LED, etc.)
- Zuordnung zu Ein-/Ausgabefunktionen (welche Komponente wird bedient?)
- Meldeeinrichtungen (welche Rückmeldungen gibt es?)
- Eindeutige Kennzeichnung (Symbole und Kürzel)
Symbole und Farben
Die verwendeten Symbole müssen:
- Einheitlich in der verwendeten Software gestaltet sein
- Durchgängig in allen Planungsphasen gleich verwendet werden
- Farbcodiert sein (z. B. grün für „Ein”, rot für „Aus”)
🛠️Praktische Anwendungsszenarien
Szenario 1: Wartung einer Heizungspumpe
Situation: Ein Techniker muss die Pumpe einer Heizungsanlage überprüfen.
❌Ohne LVB:
- Techniker muss zur Management- und Bedieneinrichtung oder BAE fahren
- Muss dort die Pumpe manuell übersteuern
- Kann den Zustand nicht lokal überprüfen
- Zeitaufwändig und fehleranfällig
✅ Mit LVB:
- Techniker geht direkt zum Schaltschrank der Pumpe
- Betätigt den Schalter an der LVB
- Sieht sofort über die LED, ob die Pumpe läuft
- Kann die Pumpe lokal testen und wieder ausschalten
- Schnell, sicher, effizient
Szenario 2: Ausfall– Zentrale fällt aus
Situation: Die zuständige Automationseinrichtung /AE) fällt aus. Die Heizung muss aber weiterlaufen.
❌ Ohne LVB:
- ❌ Heizung bleibt aus
- ❌ Gebäude kühlt aus
- ❌ Notfall-Einsatz erforderlich (Teuer)
✅ Mit LVB:
- ✅ Betreiber kann über die LVB die Heizungspumpe und den Kessel manuell einschalten
- ✅ Gebäude bleibt warm
- ✅ Zeit für Reparatur der Zentrale bleibt erhalten
Szenario 3: Krankenhaus – Fehlerfall-Regelung
Situation: Ein Techniker möchte die Lüftung in seinem Krankenhaus schnell anpassen, da die Regelung fehlerhaft arbeitet.
✅ Mit LVB (dezentral):
- Techniker kann über ein lokales Bedienfeld die Lüftung regeln
- Keine Abhängigkeit von der Automationseinrichtung
- Sicherer Betrieb der Anlage bei Fehlfunktion
Anforderungen an die Planung von LVB-Systemen
❓Was Planer beachten müssen
Bei der Planung einer LVB sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
1. Bedarfsanalyse
- Welche Komponenten benötigen eine lokale Bedienung?
- Welche Betriebszustände müssen lokal angezeigt werden?
- Wer bedient die LVB (Techniker, Betreiber, Nutzer)?
- Siehe hier VDI 3814 Blatt 2.3
2. Ergonomische Gestaltung
- Wie sind die Bedienelemente erreichbar? Im Schaltschrank oder von Außerhalb
- Sind Schalter und Anzeigen eindeutig beschriftet?
- Gibt es Betriebsanweisungen für die LVB?
3. Sicherheit
- Können unbeabsichtigte Schaltungen vermieden werden?
- Gibt es Schutzvorrichtungen gegen Missbrauch?
- Ist die Rückmeldung zuverlässig?
4. Integration in die Automation
- Soll die Automation erkennen, wenn eine LVB aktiv ist?
- Wie wird der Zustand dokumentiert?
- Gibt es Alarme bei LVB-Aktivität?
5. Dokumentation
- Alle LVB-Einheiten sollten im GA-Automationsschema dargestellt sein (oder anders beschrieben, z.B. textliche Funktionsbeschreibung)
- Stücklisten müssen erstellt werden
- Bedienungsanleitungen müssen verfügbar sein
🛠️Praktische Anwendungsszenarien
Szenario 1: Wartung einer Heizungspumpe
Situation: Ein Techniker muss die Pumpe einer Heizungsanlage überprüfen.
❌Ohne LVB:
- Techniker muss zur Management- und Bedieneinrichtung oder BAE fahren
- Muss dort die Pumpe manuell übersteuern
- Kann den Zustand nicht lokal überprüfen
- Zeitaufwändig und fehleranfällig
✅ Mit LVB:
- Techniker geht direkt zum Schaltschrank der Pumpe
- Betätigt den Schalter an der LVB
- Sieht sofort über die LED, ob die Pumpe läuft
- Kann die Pumpe lokal testen und wieder ausschalten
- Schnell, sicher, effizient
Szenario 2: Ausfall– Zentrale fällt aus
Situation: Die zuständige Automationseinrichtung /AE) fällt aus. Die Heizung muss aber weiterlaufen.
❌ Ohne LVB:
- ❌ Heizung bleibt aus
- ❌ Gebäude kühlt aus
- ❌ Notfall-Einsatz erforderlich (Teuer)
✅ Mit LVB:
- ✅ Betreiber kann über die LVB die Heizungspumpe und den Kessel manuell einschalten
- ✅ Gebäude bleibt warm
- ✅ Zeit für Reparatur der Zentrale bleibt erhalten
Szenario 3: Krankenhaus – Fehlerfall-Regelung
Situation: Ein Techniker möchte die Lüftung in seinem Krankenhaus schnell anpassen, da die Regelung fehlerhaft arbeitet.
✅ Mit LVB (dezentral):
- Techniker kann über ein lokales Bedienfeld die Lüftung regeln
- Keine Abhängigkeit von der Automationseinrichtung
- Sicherer Betrieb der Anlage bei Fehlfunktion
Anforderungen an die Planung von LVB-Systemen
❓Was Planer beachten müssen
Bei der Planung einer LVB sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:
1. Bedarfsanalyse
- Welche Komponenten benötigen eine lokale Bedienung?
- Welche Betriebszustände müssen lokal angezeigt werden?
- Wer bedient die LVB (Techniker, Betreiber, Nutzer)?
- Siehe hier VDI 3814 Blatt 2.3
2. Ergonomische Gestaltung
- Wie sind die Bedienelemente erreichbar? Im Schaltschrank oder von Außerhalb
- Sind Schalter und Anzeigen eindeutig beschriftet?
- Gibt es Betriebsanweisungen für die LVB?
3. Sicherheit
- Können unbeabsichtigte Schaltungen vermieden werden?
- Gibt es Schutzvorrichtungen gegen Missbrauch?
- Ist die Rückmeldung zuverlässig?
4. Integration in die Automation
- Soll die Automation erkennen, wenn eine LVB aktiv ist?
- Wie wird der Zustand dokumentiert?
- Gibt es Alarme bei LVB-Aktivität?
5. Dokumentation
- Alle LVB-Einheiten sollten im GA-Automationsschema dargestellt sein (oder anders beschrieben, z.B. textliche Funktionsbeschreibung)
- Stücklisten müssen erstellt werden
- Bedienungsanleitungen müssen verfügbar sein
👉 Fazit
Die Lokale Vorrangbedienung (LVB) ist ein unverzichtbares Element der modernen Gebäudeautomation. Sie bietet:
✅ Sicherheit – Notfallbetrieb auch bei Ausfällen der Zentrale
✅ Effizienz – Schnelle lokale Wartung und Instandhaltung
✅ Benutzerfreundlichkeit – Intuitive manuelle Kontrolle vor Ort
✅ Normkonformität – Erfüllung von VDI 3814 und DIN EN ISO 16484-2
✅ Zuverlässigkeit – Unabhängige Bedienung von der Automatik
Für Planer bedeutet dies: Die LVB muss von Anfang an ins Planungskonzept integriert werden.
Die LVB ist kein Nice-to-have.
Aber sie ist auch kein Allheilmittel.
Sie ist:
ein Sicherheitsnetz für Betrieb & Service
ein Werkzeug für den Menschen vor Ort
ein fester Bestandteil sauber geplanter GA
Und genau deshalb gehört sie verstanden – nicht nur eingezeichnet.
Wenn du LVB richtig denkst,
denkst du Gebäudeautomation vom Betrieb her.
Und genau da beginnt gute GA.
GA-Planer Starter-Kit – VDI 3814 in der Praxis