HOAI, VOB/C und VDI-Richtlinien sollen eigentlich für Klarheit sorgen.
In der Praxis entsteht jedoch oft genau das Gegenteil.
❌ Warum ist nicht alles so klar wie es scheint?
Weil diese Regelwerke nicht gleichzeitig, nicht mit derselben Zielsetzung und nicht immer auf demselben Stand entstanden sind –
Was nach HOAI noch nicht gefordert ist,
wird nach VDI fachlich bereits vorausgesetzt,
und nach VOB/C als Grundlage für Kalkulation und Ausführung benötigt.
Das Ergebnis:
❌ Unklare Leistungsbilder, fehlende Unterlagen
und ein erhöhtes Risiko für Diskussionen und Nachträge.
👉 Genau deshalb reicht es nicht, sich pauschal „auf die Normen zu verlassen“.
Entscheidend ist, früh und bewusst festzulegen:
• welches Regelwerk maßgeblich ist,
• welche Inhalte in welcher Leistungsphase erwartet werden,
• welche Leistungen explizit vereinbart werden.
GA-Planer Starter-Kit – VDI 3814 in der Praxis
⚖️ 2. VOB/C (DIN 18386) – Ausführung, Abrechnung und Vertragsrealität
Sobald aus Planung Ausführung wird, greift die VOB – konkret die DIN 18386 für Gebäudeautomation.
Die VOB/C regelt:
welche Leistungen zur Regelleistung gehören,
was Nebenleistungen und was Besondere Leistungen sind,
wie abgerechnet wird
Besonders relevant für GA:
GA-Funktionen nach Blatt 3.1:2019 sind abrechnungsrelevant.
Der Errichter schuldet zur Abnahme vollständige Revisionsunterlagen (z. B. Funktionslisten, Automationsschemata, Software-Backups).
❌ Die zentrale Schwäche der VOB/C:
Sie setzt voraus, dass die Planung fachlich eindeutig ist –
sie erklärt aber nicht, wie detailiert diese Planung zu entstehen hat.
👉 VOB/C = Vertrags- und Abrechnungslogik, keine Planungsmethodik.
📌 Hinweis:
Vereinbare die technische Tiefe und die geforderten Details deiner GA-Planung!
🧱 1. HOAI – Struktur, Leistungsphasen und Honorar
Die HOAI ist das preisrechtliche Fundament und das organisatorische Drehbuch eines Projekts.
Sie strukturiert den Projektablauf in neun aufeinander aufbauende Leistungsphasen (LPH 1–9) und koppelt diese an das Honorar.
✅ Für die Gebäudeautomation ist wichtig:
GA ist als eigene Anlagengruppe klar definiert.
Der Ablauf ist an Leistungsphasen orientiert: Eine Phase baut auf der vorherigen auf.
Die HOAI definiert keine technischen Anforderungen.
👉 Die HOAI ist das organisatorische Gerüst eines Projekts.
❌ Die zentrale Schwäche der HOAI:
⚠️ Sie definiert keine technische Tiefe.
Sie beschreibt nicht, wie Gebäudeautomation fachlich auszusehen hat.
Sie sagt nicht, welche GA-Unterlagen wirklich notwendig sind, um bauen zu können.
Es gibt keine genaue Beschreibung wie die Planungsdokumente auszusehen haben.
⚠️ Typischer Denkfehler
„Wenn wir nach HOAI arbeiten, ist die GA fachlich korrekt beschrieben.“
Falsch.
🧠 3. VDI 3814 – liefert die fachliche Tiefe der Gebäudeautomation
Sie beschreibt:
wie Gebäudeautomation geplant, umgesetzt und integriert wird,
welche Dokumente notwendig sind:
Automationsschemata, GA-Funktionslisten, System- und Integrationstabellen,
und wann diese Inhalte fachlich sinnvoll entstehen müssen.
Wichtig:
Die VDI 3814 fordert GA-Inhalte früher, als sie in der HOAI explizit genannt werden.
Funktionslisten werden stufenweise aufgebaut:
LP2: Ein-/Ausgabefunktionen,
LP3: Alle GA-Funktionen,
LP5: vollständige Funktionenslisten mit Referenzen und Bemerkungen
❌ Die zentrale “Schwäche” der VDI 3814:
Sie ist kein Vertragsrecht und regelt kein Honorar.
Ohne vertragliche Vereinbarung bleibt sie ein Qualitätsmaßstab ohne Durchsetzungskraft.
👉 VDI 3814 = fachliche Details, aber nur wenn klar vereinbart im Vertrag.
In modernen GA-Projekten (2024+) sollte man:
✅ VDI 3814 verwenden (aktuelle Regel der Technik)
❌ Nicht nur auf HOAI referenzieren (fehlende technische Definitionen)
🔗 Wie die drei Regelwerke zusammengehören
HOAI strukturiert den Ablauf und das Honorar
VOB/C regelt Ausführung und Abrechnung
VDI 3814 definiert die technische Qualität
Das Problem:
Diese Regelwerke ergänzen sich, greifen aber nicht automatisch ineinander.
Wenn nicht klar festgelegt wird:
welches Regelwerk wofür gilt,
welche GA-Inhalte in welcher Phase erwartet werden,
und was explizit beauftragt ist, entstehen genau die Lücken, die später zu:
❌ Nachträgen
❌ Interpretationsspielräumen
❌ Streit zwischen Planung und Ausführung führen.
🎯 Fazit
Normen und Richtlinien ersetzen keine klare Entscheidung.
Gerade in der Gebäudeautomation ist es entscheidend,
HOAI, VOB/C und VDI 3814 bewusst miteinander zu verknüpfen –
statt sie stillschweigend nebeneinander laufen zu lassen.
👉 Wer das früh sauber festlegt,
spart später Zeit, Geld und Nerven.
