Lastenheft: Wer legt Alarme, Datenaufzeichnung und Dynamisierung fest?
· Dennis Wieczorek

Eine Frage höre ich immer wieder: Wer legt eigentlich fest, was angezeigt wird? Die VDI 3814 ist deutlich: Es soll grundsätzlich ein Bedienkonzept vorliegen, zum Beispiel im Lastenheft oder Betreiberkonzept. Nach Blatt 2.3, Abschnitt 6.1 gehören die Anforderungen an die Benutzeroberfläche früh dorthin. Das fehlt häufig. Hier geht es um drei Konzepte, die dort hineingehören. Am Ende findest du Beispiele zum Download, die du beratend anbieten kannst.
Wenn du Funktionen und Datenpunkte ausfüllst, zum Beispiel bei der Brandschutzklappe, steht am Ende immer die Frage: Was wird dynamisiert, was wird angezeigt, welche Datenpunkte gehören dazu? Die Antwort: Das muss im Lastenheft oder im Betreiberkonzept des Auftraggebers definiert sein.
Das Problem beginnt hier. In den meisten Lastenheften, die ich bekomme, steht das nicht drin. Oft kennt der Planer die Anforderungen des Auftraggebers nicht, weil sie nirgends erfasst wurden.
Häufig fehlen diese drei Konzepte: das Alarm- und Meldekonzept, das Historisierungskonzept und das Dynamisierungskonzept. Um sie geht es hier, und ganz am Ende gibt es Beispiele zum Download.
Was du in diesem Artikel lernst
- Was in Lastenheften zu Alarmen, Datenaufzeichnung und Anlagenbildern fehlt
- Lastenheft, Betreiberkonzept, Notification-Klasse und Trend Log
- Was der BACtwin vorgibt und was das Projekt festlegt
- Die Checkliste aus VDI 3814 Blatt 2.1 als Gliederung für das Gespräch mit dem Betreiber
- Fazit
Was in Lastenheften zu Alarmen, Datenaufzeichnung und Anlagenbildern fehlt
Das sehe ich in Lastenheften immer wieder:
- Es steht drin, dass Störmeldungen zu erfassen sind. Es steht nicht drin, wer sie bekommt, wann er sie bekommt und was er dann konkret tun soll. Das ist ein großer offener Punkt, auch beim Thema OT-Sicherheit.
- Alle Datenpunkte werden aufgezeichnet, ohne sich zu fragen, was gebraucht wird und sinnvoll ist. Im schlimmsten Fall laufen die Pufferspeicher über und Daten gehen verloren. Das ist unnötig.
- Die Anlagenbilder entstehen beim Integrator. Welche Werte dort dynamisch stehen, entscheidet oft die vorhandene Bibliothek. Das sollte der Bauherr oder Betreiber vorgeben und der Planer in der Funktionsliste dokumentieren.
- Prioritäten und Meldeklassen werden als Geschmacksfrage behandelt: Was bei dem einen eine Gefahrmeldung ist, ist beim nächsten eine Störung.
- Und wie bei der Brandschutzklappe gilt: Entschieden wird bei der Inbetriebnahme oder bei der Bauabnahme, und am Ende wird es nicht geprüft.
Begriffe: Lastenheft, Betreiberkonzept, Notification-Klasse, Trend Log
Drei Begriffe, dann geht es los.
Lastenheft und Betreiberkonzept
Das Lastenheft sagt, was die Anlage können soll, aus Sicht des Bauherrn. Das Betreiberkonzept sagt, wie das Gebäude betrieben wird: wer, wann, mit welchen Zielen. Die VDI 3814 führt das Betreiberkonzept in Blatt 2.1 als Teil der Bedarfsplanung. Die drei Konzepte gehören dorthin, unter die Betreiberanforderungen.
Notification-Klasse (Alarm- und Meldeklasse)
Im BACnet ist das die Empfängerliste einer Meldung. Sie legt fest, wer die Meldung bekommt, wann sie zugestellt wird, mit welcher Priorität und ob der Bediener sie an der Mensch-Maschine-Schnittstelle quittieren muss. Jede Meldung zeigt auf genau eine dieser Klassen. Im AMEV BACtwin sind die Klassen vorgegeben, die Empfänger dahinter bestimmst du in der konkreten Projektplanung.
Trend Log (Datenaufzeichnung)
Das Trend Log ist ein BACnet-Funktionsobjekt für die Aufzeichnung. Es merkt sich Werte eines anderen Objekts, entweder in festen Abständen oder bei Änderung, in einem Speicher fester Größe. Der BACtwin gibt Ringspeicher vor, der Speicher überschreibt also die ältesten Werte. Der BACtwin-Standardwert für das Log_Interval ist 90000. Das BACnet gibt dieses Property in Hundertstelsekunden an, das sind 900 Sekunden, also 15 Minuten. Am Ende der Einregulierung verdoppelt der BACtwin das Intervall für Trend Logs mit Polling, im Regelbetrieb sind das 30 Minuten. Das gilt nur für Polling, nicht für COV-Aufzeichnungen. Quellen: DIN EN ISO 16484-5, 12.25.9; AMEV BACtwin 2026, Abschnitt 4.6.1. Das Projekt prüft nur, ob die 1000 Werte für die geforderte Vorhaltezeit reichen, mindestens 24 Stunden bei MBE-Ausfall. Im BACtwin hat nicht jeder Datenpunkt eine Aufzeichnung. Jeder Messwert hat ein Trend Log, bei den binären Objekten sind es weniger. Erkennbar sind sie am _TL in der Adresse.
Was der BACtwin vorgibt und was das Projekt festlegt
Die Vorgaben stehen in den BACtwin 2026 Bibliotheken beim AMEV (ZIP herunterladen, entpacken, Excel öffnen).
GA-Coach Tipp
Eine Checkliste gibt es schon: VDI 3814 Blatt 2.1.
Wenn du nach VDI 3814 planst, kennst du die Bedarfsplanung aus Blatt 2.1. Dort steht unter den Betreiberanforderungen eine Liste, die unter anderem diese Punkte enthält: Alarm- und Ereignismanagement, Trend- und Ereignisaufzeichnung und Speicherung, Bedien- und Beobachtungseinrichtungen, dazu die Anlagenprioritäten. Die Zuordnung der Bedien- und Beobachtungseinrichtungen zum Dynamisierungskonzept ist meine eigene Zuordnung. Fundstelle: VDI 3814 Blatt 2.1, Abschnitt 7.7 (Zusatzfunktionalitäten, z. B. Trend-/Ereignisaufzeichnung und Speicherung, Alarm- und Ereignismanagement). Die Checkliste findest du auch in der GA-Coach® App unter Arbeitsmitteln.
Nimm diese Liste als Gliederung für das Gespräch mit dem Betreiber, gerne auch als Fragebogen: ein Punkt nach dem anderen, und zu jedem eine Festlegung.
Und wenn du die Werte aus dem AMEV BACtwin daneben legst, hast du für jeden Punkt schon einen Vorschlag, dem der Betreiber nur noch zustimmen muss.
Fazit
Die drei Konzepte gehören auf jeden Fall zu einem Lastenheft. Die Anforderungen kommen vom Betreiber, ausgearbeitet werden sie gemeinsam mit dem GA-Planer. Geh deshalb offen auf deinen Bauherrn oder Auftraggeber zu. Und falls keine Konzepte vorhanden sind, biete gerne die Beispiele an und passe sie auf das Projekt an, dann sollte es klappen.
Mit dem AMEV BACtwin ist dafür schon vieles vorgegeben.
Die Muster für alle drei Konzepte findest du im Download-Bereich, die kostenlose Vorlage zur Funktionsliste unter ga-coach.de/ga-funktionsliste-download.
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