Datenpunktliste nach VDI 3814 erklärt
· Dennis Wieczorek

Kurz gesagt: Nach VDI 3814 Blatt 4.3 ist die Datenpunktliste kein eigenes Pflichtdokument. Die GA-Funktionsliste verknüpft Datenpunkte und Funktionen. Eine Summendarstellung der physikalischen Ein-/Ausgabefunktionen im Automationsschema ist optional und darf nur ergänzend Datenpunktliste heißen.
Inhalt
Was ist eine Datenpunktliste?
Wer nach einer Datenpunktliste sucht, will meistens wissen: Welche Datenpunkte hat meine Anlage, und wie viele sind es? Der Begriff taucht in Ausschreibungen und Angeboten ständig auf, ein eigenes Pflichtdokument ist die Datenpunktliste nach VDI 3814 Blatt 4.3 allerdings nicht.
Ein Datenpunkt ist nach DIN EN ISO 16484-2 eine Eingabe- oder Ausgabefunktion, bestehend aus allen zugeordneten Informationen, die ihre Bedeutung (Semantik) vollständig beschreiben. VDI 3814 Blatt 4.3 unterscheidet Datenpunkte als physikalisch, virtuell oder komplex.
Datenpunktliste und GA-Funktionsliste im Vergleich
Im GA-Automationsschema (Abschnitt 6.2.3 von VDI 3814 Blatt 4.3) sind die Datenpunktstrukturen ab LP 2 darzustellen. Eine Summendarstellung der physikalischen Ein-/Ausgabefunktionen ist optional und darf nur ergänzend als Datenpunktliste dienen. Die Verknüpfung von Datenpunkten und Funktionen leistet die GA-Funktionsliste.
Für dich heißt das: Wenn ein Auftraggeber eine Datenpunktliste verlangt, kläre kurz, was er erwartet. Wie sich die Funktionsliste von der Funktionsbeschreibung abgrenzt, steht im Artikel Funktionsliste und Funktionsbeschreibung. Einen Überblick über die ganze Richtlinie findest du im VDI 3814 Leitfaden.
Datenpunkte richtig zählen: AI, AO, BI, BO
Es gibt vier physikalische Datenpunkttypen. Maßgeblich sind die Kürzel AI, AO, BI und BO:
- AI: analoger Eingang (in der Praxis oft AE), zum Beispiel ein gemessener Temperaturwert
- AO: analoger Ausgang (in der Praxis oft AA), zum Beispiel ein Stellwert von 0 bis 10 V
- BI: binärer Eingang (in der Praxis oft DE), zum Beispiel eine Störmeldung
- BO: binärer Ausgang (in der Praxis oft DA), zum Beispiel der Schaltbefehl „Pumpe ein“
Einige dich im Projektteam auf eine Schreibweise, üblich sind AI, AO, BI, BO wie im AMEV BACtwin.
Der zweite Punkt betrifft die Verantwortung. Ein physikalischer Datenpunkt wird in deinem System geplant, parametriert und in Betrieb genommen. Ein gemeinsamer Datenpunkt kommt aus einem fremden, fertig projektierten System und wird nur ausgetauscht, in der Funktionsliste meist als Werteobjekt (AV oder BV). Entscheidend ist also, wer den Datenpunkt projektiert. Der Bus ist dafür unerheblich: Ein Wert über Modbus oder BACnet kann ein physikalischer Datenpunkt sein. Die ausführliche Herleitung steht im Artikel Physikalischer und gemeinsamer Datenpunkt.
Zählbeispiel: Außenluftklappe und Heizkreis
Eine einfache Auf/Zu-Klappe zeigt, warum der Schaltbefehl allein nicht reicht. Ohne Rückmeldung weiß die Anlage nie, ob die Klappe wirklich offen ist. Der definierte Satz lautet:
- Schaltbefehl Auf/Zu: 1 × BO
- Rückmeldung Auf: 1 × BI
- Rückmeldung Zu: 1 × BI
Das sind drei physikalische Datenpunkte für ein einziges Gerät. Bei einer stetigen Klappe kommen stattdessen ein Stellsignal (AO) und eine Stellungsrückmeldung (AI) zusammen.
Wie stark sich Zählweisen unterscheiden, zeigt der Heizkreis HZK01 aus meiner Beispiel-Funktionsliste. Vier Fühler, eine Pumpe, ein Ventil: Wer nur die verdrahteten Hardwarepunkte zählt, kommt auf deutlich weniger als die 21 Einträge der Funktionsliste:
| Art | Anzahl |
|---|---|
| Physikalisch verdrahtet (3 × AI, 2 × BI, 1 × AO, 1 × BO) | 7 |
| Kommunikativ integriert (Modbus, BACnet/IP) | 2 |
| Virtuell (Anlagenschalter, Sollwert, Grenzwert, Mittelwert) | 4 |
| Komplexe Objekte (4 × Trend Log, 1 × Zeitplan, 1 × Loop/Regler) | 6 |
| Bedienung und Anzeige (Anlagengrafik, Liniendiagramm) | 2 |
| Summe für einen Heizkreis | 21 |
Dazu kommen rund 16 gemeinsame Datenpunkte in der Automationseinrichtung, zum Beispiel zehn Meldungsklassen, Feiertagskalender und Sonderschichten. Sie werden einmal angelegt und von allen Anlagen genutzt.
Kosten pro Datenpunkt: Was den Preis bestimmt
Einen Preis pro Datenpunkt nenne ich hier bewusst nicht, denn er hängt vom Projekt ab. Diese Faktoren bestimmen ihn:
- Physikalisch oder gemeinsam: Beim physikalischen Datenpunkt leistest du die ganze Projektierung mit Kennlinien, Bereichen, Einheiten, Zustandstexten und Benutzeradresse. Beim gemeinsamen Datenpunkt übernimmst du einen fertigen Wert.
- Integrationsart: verdrahtet über E/A, über einen Bus eingebunden oder rein virtuell.
- Zählweise: nach Hardware oder nach Funktion, mit oder ohne virtuelle und komplexe Objekte.
- Gemeinsame Infrastruktur: Der erste Heizkreis trägt den Overhead, jede weitere Anlage wird günstiger.
Wichtig sind die Mengen, denn nach ATV DIN 18386 werden GA-Funktionen nach Stück abgerechnet, entsprechend den Funktionslisten. Als Bezugseinheit der Kostengruppe 480 nennt die DIN 276:2018 den Datenpunkt. Ein vergessener Datenpunkt bedeutet Nachtrag oder unbezahlte Mehrarbeit.
GA-Coach Tipp
Stelle dir vier Fragen, bevor du eine Datenpunktzahl ins Angebot schreibst:
- Physikalisch oder gemeinsam: Wer projektiert den Datenpunkt?
- Welche virtuellen Punkte entstehen daraus (Sollwert, Grenzwert, Status)?
- Ist der Punkt Teil eines komplexen Objekts wie Loop, Trend Log oder Zeitplan?
- Welche gemeinsamen Datenpunkte braucht die Anlage, und sind sie genau einmal kalkuliert?
Wie die Integrationsart im Leistungsverzeichnis abgebildet wird, erklärt Physikalisch oder gemeinsam im Leistungsverzeichnis.
Mehr zu Mengen und Abrechnung steht in Datenpunktpreis in Planung und Ausschreibung.
Datenpunktliste in Excel
Für die Praxis brauchst du eine Tabelle, die der Struktur von Blatt 4.3 folgt. Im Download-Bereich gibt es die GA-Funktionsliste als leere Excel-Vorlage nach VDI 3814:2022 und das ausgefüllte Beispiel HZK01. Beides ist kostenlos und mit Excel sowie LibreOffice nutzbar.
Fazit
Die Verknüpfung von Datenpunkten und Funktionen leistet die GA-Funktionsliste. Eine Summendarstellung der Ein- und Ausgabefunktionen ist optional und nur ergänzend. Zähle nach Funktion, ordne jeden Datenpunkt als physikalisch oder gemeinsam ein, und rechne die gemeinsame Infrastruktur nur einmal.
Funktionsliste kostenlos als Vorlage
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