Preis pro Datenpunkt: Was ihn bestimmt und was in Planung und Ausschreibung gehört
· Dennis Wieczorek

Kurz gesagt: Ein Datenpunkt hat keinen festen Preis. Er hängt von der Integrationsart, von den zugeordneten Funktionen, vom projektierten Anteil und vom Prüfaufwand ab. Abgerechnet werden GA-Funktionen nach Stück, und die Mengen kommen aus der GA-Funktionsliste.
Inhalt
Diese Faktoren bestimmen den Preis eines Datenpunkts
Einen Preis pro Datenpunkt nenne ich bei GA-Coach® bewusst nicht. Zwei Datenpunkte mit demselben Kürzel, etwa zwei analoge Eingänge, können sehr unterschiedlich viel Arbeit machen. Diese Faktoren entscheiden darüber:
- Integrationsart: Hardware, Modbus, BACnet oder M-Bus. Jede Art bringt einen eigenen Aufwand für Anschluss, Parametrierung und Prüfung mit. Im Leistungsverzeichnis stehen sie deshalb als getrennte Positionen. Mehr dazu in Physikalisch oder gemeinsam: Integrationsart im Leistungsverzeichnis.
- Anzahl und Art der zugeordneten Funktionen: Ein Datenpunkt, an dem nur eine Anzeige hängt, ist günstiger zu bedienen als einer mit Grenzwertüberwachung, Datenaufzeichnung, Alarm und Grafik. Die GA-Funktionsliste zeigt, welche Funktionen an welchem Datenpunkt liegen.
- Projektierter oder übernommener Anteil: Beim physikalischen Datenpunkt leistest du die ganze Projektierung. Beim gemeinsamen Datenpunkt übernimmst du einen fertigen Wert. Das gilt aber nur, wenn das Fremdsystem normkonform projektiert geliefert wurde.
- Kennzeichnung und Dokumentation: Klartexte, Benutzeradressen und die Einträge in Schema und GA-Funktionsliste gehören zur Leistung und kosten Zeit, vor allem bei Rohdaten aus Bussystemen.
- Gateways: Ein Gateway ist eigene Hardware mit einer eigenen Position im Leistungsverzeichnis. Es steckt nicht im Datenpunkt.
- Inbetriebnahme und Funktionsprüfung: Jeder Datenpunkt wird geprüft, und Anwendungsfunktionen und Bedienung kommen dazu. Der Aufwand wächst mit der Zahl der Funktionen und mit der Zahl der beteiligten Gewerke.
Wie du physikalisch und gemeinsam sauber trennst, steht im Artikel Physikalischer und gemeinsamer Datenpunkt. Auch die Seite Datenpunktliste nach VDI 3814 geht auf die Kostenfaktoren ein.
Abrechnung nach Stück: ATV DIN 18386 und DIN 276
Nach der ATV DIN 18386 werden GA-Funktionen nach Stück abgerechnet, Blatt 4.3 nennt die Ein-/Ausgabefunktionen Abrechnungseinheiten gemäß VOB/C. Die Menge in der GA-Funktionsliste ist damit die Abrechnungsgrundlage. Ein vergessener Datenpunkt bedeutet Nachtrag oder unbezahlte Mehrarbeit.
In der Kostenplanung nennt die DIN 276:2018 den Datenpunkt als Bezugseinheit der Kostengruppen 481 bis 485 und 489 innerhalb der KG 480 (Datenpunkt der Gebäude- und Anlagenautomation, Einheit Stück). Wer Kosten pro Datenpunkt vergleicht, sollte deshalb prüfen, wie dort gezählt wurde: nach Hardware oder nach Funktion, mit oder ohne virtuelle und komplexe Objekte.
Automationsschema, GA-Funktionsliste und Leistungsphasen
Welche Darstellung in welcher Leistungsphase fertig sein muss, zeigt die folgende Übersicht. Sie ist Seite 1 einer vierseitigen PDF: Das Automationsschema mit den Funktionsstrukturen, dazu die GA-Funktionsliste und eine Tabelle der Darstellungsbereiche nach VDI 3814 Blatt 4.3 je Leistungsphase.
PDF herunterladen: GA-Inhalt und Leistungsphasen (4 Seiten, frei, ohne Anmeldung)
Die Darstellungsbereiche des Schemas stammen aus Blatt 4.3. Die Zuordnung der Spaltengruppen der GA-Funktionsliste zu LP 2, LP 3 und LP 5 ist meine Empfehlung und passt zum Aufbau der Liste. Die Benutzeradresse im Schema ab LP 2 ist die Adressstruktur bis zur Anlagenebene, die vollständige Adresse bis zur Funktion (BAS) folgt in LP 5. Ich empfehle, schon in LP 2 die einzelnen Datenpunkte aufzulisten. Blatt 2.2 nennt für LP 2 die Ein-/Ausgabefunktionen. Eine zusammenfassende Darstellung je Aggregat bis LP 2 ist nach Blatt 4.3, 7.2.4 zulässig, ich empfehle trotzdem die einzeilige Liste.
Die Seiten 2 bis 4 der PDF zeigen ein Verbrauchsanlagen-Beispiel mit Funktionsstruktur, die GA-Funktionsliste mit Spaltengruppen und die Übersicht der Leistungsphasen.
Kennzeichnungstiefe und Zuarbeit der Gewerke
Die Kennzeichnungstiefe richtet sich nach VDI 3814 Blatt 2.2: In LP 2 wird bis zur Anlage gekennzeichnet (AKS), in LP 3 bis zum Betriebsmittel (BKS) und in LP 5 bis zur Funktion (BAS). Dafür brauchst du die Zuarbeit der Gewerke, also der Planer für Heizung, Lüftung, Klima und der übrigen TGA. Ohne diese Zuarbeit lassen sich Datenpunkte weder sauber zählen noch kalkulieren. Die Kürzel erklärt die Seite AKS, BKS und BAS, den Überblick über die Richtlinie der VDI 3814 Leitfaden.
GA-Coach Tipp
Leite die Mengen aus der GA-Funktionsliste ab, statt sie aus der Datenpunktzahl zu schätzen. Prüfe dazu:
- Welche Datenpunkte sind physikalisch, welche gemeinsam, und mit welcher Integrationsart?
- Welche Funktionen hängen an jedem Datenpunkt?
- Welche Gateways sind nötig und stehen als eigene Position im Leistungsverzeichnis?
- Ist jede Menge genau einmal gezählt, auch die gemeinsame Infrastruktur?
Fazit
Der Preis pro Datenpunkt ergibt sich aus Integrationsart, Funktionen, Projektierungsanteil, Kennzeichnung, Gateways und Prüfaufwand. Abgerechnet wird nach Stück, entsprechend der GA-Funktionsliste. Plane die Darstellung nach Leistungsphasen, hole die Zuarbeit der Gewerke früh ein und leite die Mengen aus der GA-Funktionsliste ab.
Funktionsliste als Excel-Vorlage
Excel-Vorlage nach VDI 3814 herunterladen und Mengen aus der GA-Funktionsliste bilden.
Dennis, dein GA-Coach
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