Funktionslisten verstehen: warum du die GA-Funktionen kennen musst
· Dennis Wieczorek

Wer die GA-Funktionen aus VDI 3814 Blatt 3.1 nicht kennt, kann Spalte 4, die Referenzierung, weder lesen noch schreiben. Das ändern wir hier.
Zum Lernmodul „Funktionsliste“ in der GA-Coach® App habe ich schönes Feedback bekommen: Gelobt wurde ausgerechnet die praktische Erklärung der Funktionslisten. Und fast im selben Atemzug kam die Frage, die ich in nahezu jeder Schulung höre: „Wie funktioniert eigentlich die Referenzierung in der Funktionsliste?“
Diese Frage zeigt ein größeres Problem: Viele möchten Funktionslisten ausfüllen, haben sich aber nie intensiv mit den eigentlichen GA-Funktionen beschäftigt. Das ist wie in der Physik: Ohne die Grundgesetze löst du keine komplizierten Aufgaben.
Hier legen wir das Fundament: die GA-Funktionen aus VDI 3814 Blatt 3.1, die Referenzierung in Spalte 4 und die Funktionsblockdarstellung, die aus kryptischen Verweisen ein Bild macht.
Was du in diesem Artikel lernst
- Warum das Wissen hinter der Funktionsliste oft fehlt
- GA-Funktionen, Referenzierung in Spalte 4 und Funktionsblockdarstellung
- Spalte 4 im Original einer echten Funktionsliste
- Referenzen lesen am Beispiel der Motorsteuerung einer Pumpe
- Wann Referenzierungen fällig werden und wie du Alarme fürs LV zählst
- Fazit mit 30-Sekunden-Check für Spalte 4
Warum das Wissen hinter der Funktionsliste oft fehlt
Die Funktionsliste listet GA-Funktionen auf. Das Wissen dahinter fehlt oft. Warum es damit so oft schiefgeht:
- Nach meiner Erfahrung kennen viele die GA-Funktionen nur oberflächlich, Funktionslisten füllen sie trotzdem aus.
- Das Ergebnis: Missverständnisse und unterschiedliche Interpretationen. Planer, Errichter und Systemintegrator lesen dieselbe Liste verschieden.
- Spalte 4 (Bemerkung und Referenzierung) bleibt leer oder wirkt kryptisch, dabei steht dort, wie die Funktionen zusammenspielen.
- Die eigentliche Ursache: Wer die Grundfunktionen aus VDI 3814 Blatt 3.1 (01/2019) nicht verstanden hat, kann die Funktionsliste nicht korrekt ausfüllen.
Begriffe: GA-Funktionen, Referenzierung und Funktionsblockdarstellung
Drei Bausteine, damit du Spalte 4 lesen kannst. Alle drei stammen aus der VDI 3814.
Die GA-Funktionen als Fundament (VDI 3814 Blatt 3.1)
Die Funktionsliste ist eine Auflistung von GA-Funktionen. Deshalb führt an Blatt 3.1 (01/2019) kein Weg vorbei. Dort sind die Grundfunktionen definiert: Ein-/Ausgabefunktionen (deine physikalischen Datenpunkte), Anwendungsfunktionen (Logik, Überwachung/Steuerung, Regelung) und Bedienfunktionen, dazu die Datenbeziehungen zwischen den Funktionen. Zum Vertiefen: Auf dem Blog findest du meinen kompletten Leitfaden zu den GA-Funktionen.
Die Referenzierung in Spalte 4 (Bemerkung und Referenzierung)
Die Referenzierung beschreibt, welche Funktionen Informationen austauschen, welche Funktionen aufeinander aufbauen und welche Datenpunkte zusammenhängen. Eingetragen wird das in Spalte 4, Bemerkung und Referenzierung, der GA-Funktionsliste (VDI 3814 Blatt 4.3). Die Referenzierung hat dabei eher beschreibenden Charakter: Sie dient vor allem dem Verständnis der Funktionszusammenhänge und ist deshalb für den ausführenden Systemintegrator wichtig. Er muss aus deiner Liste ablesen können, wie die Anlage wirklich funktionieren soll.
Die Funktionsblockdarstellung: Zusammenhänge sichtbar machen
Nach Blatt 4.3 kannst du Automationsfunktionen als Funktionsblöcke darstellen: jede GA-Funktion ein Block mit Eingängen (I), Ausgängen (O) und Parametern (PI), logische Verbindungen als Linien. Das bringt Vorteile: Zusammenhänge werden sichtbar, der Interpretationsspielraum schrumpft, Planer und Errichter verstehen dasselbe, und die Funktionsbeziehungen sind sauber dokumentiert. Die Alternative, eine rein textliche Funktionsbeschreibung, führt in der Praxis dagegen häufig zu unterschiedlichen Interpretationen.
Praxisszenen: Drei Fragen zu Spalte 4
Zurück zur Schulungsfrage, an meinem Lieblingsbeispiel: der Motorsteuerung einer Pumpe. Und zum Schluss eine echte Community-Frage, die hier anschließt.
„Wie funktioniert eigentlich die Referenzierung?“
Die Aufgabe aus der Praxis: Öffnet das Regelventil des Vorerhitzers weiter als 4 %, soll die Pumpe einschalten. Dafür brauchst du zwei GA-Funktionen aus Blatt 3.1: Die Grenzwertüberwachung (2.2.1) überwacht das Stellsignal des Ventils auf einen festen Grenzwert (Parameter: größer 4 %, plus Hysterese, damit nichts flattert). Ihr Ausgang „oberer Grenzwert überschritten“ (O_01) wirkt auf den Eingang Freigabe (I_01) der Motorsteuerung (2.2.6), und die schaltet die Pumpe. In Spalte 4 steht dieser Zusammenhang als eine einzige Zeile: 2.2.1 (Grenzwertüberwachung) = 2.2.6:I_01 (Motorsteuerung:Freigabe).
Lösung: Lies jede Referenz wie eine Adresse: Vor dem Doppelpunkt steht die Funktion (Spaltennummer 2.2.6 = Motorsteuerung), dahinter der Anschluss (I_01 = Eingang 1, O_01 = Ausgang 1). Zeilennummern verweisen auf andere Zeilen der Funktionsliste. Damit entschlüsselst du das komplette Beispiel: 2.2.6:O_01 (Motor Start/Stop) schaltet Zeile 34.1.1.4 (Pumpe, Schaltbefehl). 2.2.6:O_04 (Motoralarm mit Selbsthaltung) schaltet 13.1.3.3 (Alarm-Ereignismeldung (NC), Meldungsklasse Alarm). Und 2.2.6:I_06 (Entriegelung) wird durch Zeile 22.1.1.2 (Entriegelung ASP) zurückgesetzt. Vier Referenzen, und die komplette Steuerlogik der Pumpe steht schwarz auf weiß in deiner Liste.
„Muss ich das schon in der Kostenberechnung liefern?“
Die Sorge kommt in Schulungen meist direkt hinterher: Referenzierungen klingen nach viel Arbeit. Muss das schon in den frühen Leistungsphasen sein?
Lösung: Nein. Gemäß VDI 3814 Blatt 2.2 werden die Referenzierungen erst in Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung) erstellt. In Leistungsphase 3 (Kostenberechnung) sind diese Angaben normalerweise noch nicht erforderlich. Die Referenzierung besitzt eher beschreibenden Charakter und dient vor allem dem Verständnis der Funktionszusammenhänge. Heißt für dich: In den frühen Phasen zählst und bepreist du Funktionen, in der Ausführungsplanung beschreibst du ihre Beziehungen.
„Und wie zähle ich die Alarme für das LV?“
Bleiben wir bei der letzten Referenz von oben, 13.1.3.3, Meldungsklasse Alarm. Dazu erreichte mich eine Frage aus der Community (anonym zitiert): „Wenn ich bei beliebigen Datenpunkten nur in der hinteren Spalte angebe, auf welche NC dieser Alarm referenziert, wie stelle ich dann die Gesamtmenge an Alarmen und Meldungen für das LV fest? Zum Beispiel, um die richtige Anzahl an Quittiertastern zu ermitteln?“
Lösung: Eine eigene LV-Position für die „Gesamtzahl aller Alarme“ gibt es normalerweise nicht. Die Alarm-/Ereignismeldung (NC) ist die GA-Funktion 1.3.3: Sie beschreibt Priorisierung, Verteilung und Quittierung von Meldungen im GA-System. In meiner Praxis wird sie in der Regel pro Automationseinrichtung (AE) geplant, projektiert und ausgeschrieben. Ihre Anzahl ändert sich also nicht mit den alarmerzeugenden Datenpunkten. Die Alarmerzeugung selbst kommt aus Überwachungsfunktionen wie der Grenzwertüberwachung (2.2.1), und die kannst du aufmessen und ausschreiben.
Die Anzahl der Quittiertaster ergibt sich aus den Meldungsklassen und ihrem Quittierkonzept. Dort ist festgelegt, welche Alarmkategorien es gibt (z. B. Hoch, Mittel, Personensicherheit) und wie sie quittiert bzw. zurückgesetzt werden. Daraus folgt, ob ein ASP-weiter Quittiertaster reicht oder ob du je Alarmkategorie bzw. für getrennte Alarmgruppen eigene brauchst.
In der Praxis wird dieser Schritt oft vergessen: Der Taster steht im LV, aber niemand hat beschrieben, welche Meldungsklassen er tatsächlich quittiert. Beschreibe das Quittierkonzept deshalb schon bei der Definition der Alarm- und Ereignismeldungen und der Meldungsklassen. Ein Beispiel dafür hast du oben schon gesehen: 2.2.6:I_06 (Entriegelung) wird durch Zeile 22.1.1.2 (Entriegelung ASP) zurückgesetzt.
GA-Coach Tipp
Tipp: Bevor du die nächste Funktionsliste ausfüllst, nimm dir einmal die Grundfunktionen aus der VDI 3814 Blatt 3.1 vor (Ein-/Ausgabefunktionen, Anwendungsfunktionen mit Logik, Überwachung/Steuerung und Regelung, Bedienfunktionen) und baue ein kleines Beispiel nach. Die Pumpe von oben reicht: eine Grenzwertüberwachung, eine Motorsteuerung, vier Referenzen. Erst dann wird die Funktionsliste verständlich.
Dein 30-Sekunden-Check für Spalte 4:
- Steht bei jeder Anwendungsfunktion, woher ihre Freigabe kommt?
- Ist jede Selbsthaltung mit ihrer Entriegelung referenziert?
- Führt jeder Alarm zu einer Meldung mit Meldungsklasse?
Für zwischendurch: Frag die GA-Coach KI, kostenlos auf ga-coach.de/ga-assistent/: „Was bedeutet die Referenzierung in Spalte 4?“ oder „Welche Ausgänge hat die Motorsteuerung nach VDI 3814?“
Fazit
Gute Funktionslisten setzen Wissen voraus: Du verstehst die GA-Funktionen, kennst die Beziehungen zwischen den Funktionen und kannst Referenzierungen lesen und schreiben. Die Zusammenhänge stellst du idealerweise auch visuell dar. Die Funktionsliste ist am Ende die strukturierte Darstellung dieser Funktionen.
Wie hältst du es mit Spalte 4: Liest du sie, schreibst du sie, oder bleibt sie bei euch leer? Die kostenlose Vorlage zur Funktionsliste findest du im Download-Bereich, und das Lernmodul „Funktionsliste“ gibt es in der GA-Coach App.
Dennis, dein GA-Coach
Gebäudeautomation einfach und verständlich erklärt!
Strukturiert planen mit der GA-Coach App
Datenpunkte erfassen, BACtwin-Standard anwenden, Funktionsliste aufbauen.
Fragen zum Artikel? Frag den KI-Assistenten.
Der GA-Assistent beantwortet deine Fragen zu VDI 3814, BACnet und Gebäudeautomation — rund um die Uhr.
Du möchtest Gebäudeautomation nach VDI 3814 besser verstehen?
Kostenloses VDI 3814 Cheatsheet

