VDI 3814 Leitfaden-Serie — Teil 21 von 21
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#21 Funktionsliste Schritt für Schritt, Teil 2: Die Außenluftklappe

· aktualisiert 12. August 2026 · Dennis Wieczorek

Funktionsliste Schritt für Schritt, Teil 2 – Die Außenluftklappe

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Vor kurzem kam diese Frage in die GA-Coach KI, wörtlich: „Standard-Datenpunkte für eine Außenluftklappe, reicht Schaltbefehl, RMA und RMZ?”

Ich liebe diese Frage. Denn sie steht stellvertretend für das, was ihr mir in der großen Auswertung gezeigt habt: Jede vierte Frage an den GA-Coach dreht sich um die Funktionsliste. Nicht um Theorie, sondern um genau diesen Moment: Du sitzt vor der Tabelle, das Betriebsmittel ist klar, und jetzt … welche Zeilen?

In unserer Serie Funktionsliste Schritt für Schritt nehmen wir uns Aggregat für Aggregat vor, vom Betriebsmittel über die BACtwin-Bibliotheken bis zur fertigen Zeile. Nach der Pumpe und einem Zwischenstopp zur Referenzierung ist heute Teil 2 dran: die Außenluftklappe. Einfach, unscheinbar, und ein perfektes Beispiel.

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Problem

Warum ausgerechnet die „einfache” Klappe so oft schiefgeht:

  • Der Schaltbefehl ohne Rückmeldung. Ohne Rückmeldung weiß deine Anlage nie, ob die Klappe wirklich offen ist.
  • Fehlende Rückmeldungen fallen oft erst bei der Inbetriebnahme auf. Dann sind Klemme, Kabel und Kalkulation längst vorbei. Ergebnis: hohe Nachträge oder fehlende Funktionen.
  • Jede Zeile der Funktionsliste ist nach VOB/C bares Geld. Der Datenpunkt ist die zentrale Bezugsgröße für Mengen und Abrechnung.
  • Auf/Zu ist nicht gleich stetig. Wer den Klappentyp nicht sauber unterscheidet, trägt die falschen Datenpunkte ein.

Begriffe

Drei Dinge, die du für die Klappen-Zeile brauchst, einmal sauber sortiert.

Die Funktionsliste in 60 Sekunden

Die GA-Funktionsliste (VDI 3814) ist das Ergebnis deiner GA-Fachplanung in Tabellenform: In den Zeilen stehen deine Betriebsmittel (Klappe, Pumpe, Fühler …), in den Spalten die GA-Funktionen, von den Ein- und Ausgabefunktionen (den physikalischen Datenpunkten) über die Anwendungsfunktionen (früher: Verarbeitungsfunktionen) bis zu Bedienen und Anzeigen. Jede markierte Zelle sagt: Diese Funktion wird geschuldet, und abgerechnet.

Der Weg zur Zeile: erst das WAS, dann das WIE

Den kennst du aus den letzten Ausgaben: BACtwin Bibliothek 3 sagt dir, welche Datenpunkte ein Betriebsmittel typischerweise mitbringt (die Mindestausstattung). Bibliothek 2 sagt dir, wie jeder einzelne heißt und aufgebaut ist (Objekttyp AI/AO/BI/BO plus Wertobjekte). Beide Tabellen zusammen können dir bei deinen ersten Zeilen der Funktionsliste helfen. Die Funktionen nach Blatt 3.1 und 4.3 musst du trotzdem selbst ausfüllen und projektspezifisch anpassen nach VDI 3814.

RMA und RMZ: woher die Kürzel kommen

RMA = Rückmeldung Auf, RMZ = Rückmeldung Zu: zwei Endschalter, zwei binäre Eingaben (1.1.2 BI). Die Kürzel sind keine Hausnummern. Sie stammen aus dem Benutzeradressschlüssel (BAS) nach VDI 3814 Blatt 4.1, im AMEV BACtwin findest du sie in Tabelle 1. Wer sie so verwendet, spricht dieselbe Sprache wie Planung, Errichter und Betrieb.

Fachlich wichtig: Erst mit der Rückmeldung kann die Automation prüfen, ob die Klappe wirklich aufgefahren ist. Genau daraus entsteht die Befehlsausführüberwachung (2.2.4) mit Störmeldung. Ohne Rückmeldung gibt es nichts zu überwachen.

Fertige Funktionslisten-Zeilen für die Außenluftklappe: Schaltbefehl als binäre Ausgabe, Rückmeldung Auf und Rückmeldung Zu als je eigene binäre Eingabe, dazu die Befehlsausführüberwachung 2.2.4 und die Referenzierungen

So sieht die Außenluftklappe als fertige Zeile aus: links die GA-Funktion, daneben der Datenpunkt-Typ, rechts, was sie tut. Zum Abspeichern und Nachbauen.

Eine Klappe ohne Rückmeldung kannst du nicht überwachen. Und ohne Rückmeldung weiß niemand, ob der Ventilator freigegeben werden darf.


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Praxisszenen

Zurück zur Frage aus dem Chat, in drei Szenen.

„Reicht Schaltbefehl, RMA und RMZ?”

Fast! Für die klassische Auf/Zu-Klappe ist der Dreier-Satz die richtige Basis: 1× BO (Schaltbefehl Auf/Zu) plus 2× BI (Rückmeldung Auf, Rückmeldung Zu). Aber die Zeile ist damit noch nicht fertig, es fehlen die Funktionen, die über die reinen Datenpunkte hinausgehen: die sogenannten Anwendungsfunktionen.

Lösung: Ergänze die Anwendungsfunktionen (früher: Verarbeitungsfunktionen), und zwar die, die es in VDI 3814 Blatt 3.1 wirklich gibt. Pflicht ist die Befehlsausführüberwachung (2.2.4): Sie prüft, ob der Befehl innerhalb der parametrierten Kontrollzeit ausgeführt wurde, und setzt bei fehlender Rückmeldung einen Selbsthaltealarm. Je nach Projekt kommen Referenzierungen zu einer bestehenden Folgesteuerung (2.2.9) dazu, also erst Klappe auf, dann Ventilator ein. Und die Referenzierungen auf bestehende Alarm-/Ereignismeldungen (1.3.3), häufig Notification Class der Automationseinrichtung genannt, sonst merkt niemand etwas von der Störung.

Das Entscheidende kommt danach: Diese Funktionen brauchen Referenzierungen. Der Schaltbefehl wird mit RMA und RMZ verknüpft, die Störmeldung mit der Überwachung. Ohne diese Verweise stehen nur Zahlen in Spalten, und niemand weiß, was zusammengehört. Wie das aussieht, haben wir in der Ausgabe Referenzierungen: was 2.2.1 = 2.2.6:I_01 bedeutet Schritt für Schritt aufgeschlüsselt.

Was hier ausdrücklich nicht hingehört: die Frostschutzsteuerung (2.2.10). Die sitzt beim auslösenden Element, also beim Frostschutzwächter oder dem Sensor, der die Funktion übernimmt. Auf die Klappe wirkt sie über eine Referenzierung auf den Schaltbefehl, nicht als Häkchen in der Klappen-Zeile.

„Und wenn die Klappe stetig ist?”

Bei einer stetigen Klappe (zum Beispiel Mischluft, bedarfsgeführte Außenluftmenge) sieht die Zeile anders aus: statt des Schaltbefehls eine Stellausgabe (AO), und statt der zwei Endlagen eine Stellungsrückmeldung (AI), die dir sagt, WO die Klappe gerade steht, nicht nur OB sie offen ist.

Lösung: Kläre den Klappentyp, bevor du die Zeile schreibst, am Automationsschema oder beim TGA-Kollegen. Auf/Zu = BO + 2× BI. Stetig = AO + AI. Wer beides mischt, zählt falsche Datenpunkte, und das rechnet sich durch bis in die Abrechnung.

„Kommt bei der Klappe die Motorsteuerung rein?”

Nein. Die Motorsteuerung (2.2.6) ist in der VDI 3814 bewusst für Antriebe wie Pumpen und Ventilatoren vorgesehen, und sie bringt die Befehlsausführüberwachung schon mit. Für eine reine Auf/Zu-Klappe ist sie nicht das Mittel der Wahl.

Lösung: Für die Klappe reicht die Befehlsausführüberwachung (2.2.4) allein. Das ist keine Sparversion, sondern die passende Funktion. Wer trotzdem die Motorsteuerung anhakt, schreibt eine Funktion in die Zeile, die dort nicht hingehört, und lässt sie sich mit ausschreiben und bezahlen.

Bedienen und Anzeigen: was wird dynamisiert?

Der Teil der Zeile, der am häufigsten unterschätzt wird. Auch hier zählt jede Zelle, und auch hier entscheidet die Referenzierung:

  • Grafik (3.1.2): Auf welchem Anlagenbild erscheint die Klappe überhaupt? Genau das hält die Referenzierung fest.
  • Dynamisierung (3.1.3): Jeder Wert, der live aus der Automationsstation kommt, ist eine eigene Einblendung. Rückmeldung, Störung, Status, Handbetrieb: das sind vier, nicht eine.
  • Bedienen: Überleg dir bewusst, was das Betriebspersonal wirklich von Hand vorgeben darf und was nicht.
  • Nachlesen: Wie du dynamische Einblendungen richtig zählst, steht im Leitfaden Die dynamischen Einblendungen.

Ehrlich aus dem Feld

Jetzt mal ehrlich, aus der Praxis: Ich habe als Integrator jede Menge Klappen umgesetzt, die genau eine Rückmeldung hatten, zum Beispiel nur „Offen”. War die nicht da, ist man einfach davon ausgegangen, dass die Klappe eben zu ist, ganz ohne eigene Rückmeldung „Zu” als zweiten Datenpunkt.

Warum? Weil wir in der GA am Ende fast immer an den Kosten hängen. Jeder eingesparte Datenpunkt ist eingespartes Geld, und deshalb ist genau das gängige Praxis, auch wenn die Bibliotheken sauber getrennte Rückmeldungen vorsehen.

Jetzt der wichtige Teil: Das ist völlig in Ordnung, solange du es dokumentierst. Im BACtwin legst du für dein Projekt fest, wie die Aggregate aufzuführen sind: mit einer oder mit zwei Rückmeldungen. Weicht dein Aggregat vom AMEV-Standard ab, wird es zum Projektaggregat, sauber dokumentiert, mit eigener UUID, sobald es sich vom Standard-Aggregat unterscheidet. So weiß jeder im Projekt, was wirklich gilt.

Genau dafür entsteht gerade in der GA-Coach App der AMEV-BACtwin-Template-Assistent: Er hilft dir, deine vom Standard abweichenden Projekt-Templates, also Aggregate und Baugruppen, sauber zu definieren und zu dokumentieren.

Wo du den Klappen-Standard nachschlägst: im AMEV BACtwin, herstellerneutral und kostenfrei. BACtwin-2026-ZIP herunterladen, entpacken, dann in den Excel-Tabellen: Bibliothek 3 für das Klappen-Aggregat (welche Datenpunkte), Bibliothek 2 für die Objekte dahinter (wie jeder heißt), Tabelle 1 für die Benutzeradressschlüssel wie RMA und RMZ. Übersicht: amev-online.de → Gebäudeautomation → BACtwin.

Dein Check beim Ausfüllen, in der richtigen Reihenfolge:

  1. Klappentyp geklärt — Auf/Zu oder stetig?
  2. Jeder Datenpunkt eine eigene Zeile? Nach VDI 3814 Blatt 4.3 (Juli 2022) bekommt jede Ein- und Ausgabefunktion ihre eigene Zeile. Schaltbefehl, Rückmeldung Auf, Rückmeldung Zu: das sind drei Zeilen, nicht eine.
  3. Befehlsausführüberwachung (2.2.4) drin? Das ist das Must-have bei einem Schalt- oder Stellbefehl.
  4. Referenziert, was zusammengehört? Der Schaltbefehl wird mit RMA und RMZ verknüpft, die Meldung mit der Überwachung. Ohne Referenzierung hilft dir keine Zahl in keiner Spalte. Nachlesen: Referenzierungen: was 2.2.1 = 2.2.6:I_01 bedeutet.
  5. Weitere Anwendungsfunktionen nur, wenn das Projekt sie braucht: Folgesteuerung (2.2.9) für die Reihenfolge, Sicherheitssteuerung (2.2.11) für Szenarien wie eine Löschschaltung mit Zwangsverriegelung. Auch die müssen referenziert oder in der textlichen Funktionsbeschreibung erklärt werden.
  6. Frostschutzsteuerung (2.2.10) NICHT in die Klappen-Zeile! Sie sitzt beim auslösenden Element, also beim Frostschutzwächter, und wirkt per Referenzierung auf den Schaltbefehl.
  7. Motorsteuerung (2.2.6) bewusst nicht angehakt? Die gehört zu Pumpe und Ventilator.
  8. Alarm-/Ereignismeldungen (1.3.3) referenziert, mit passender Meldungsklasse? Zum Hintergrund: Die GA-Funktionen.
  9. Grafik (3.1.2) und Dynamisierung (3.1.3) referenziert? Also: Auf welchem Anlagenbild erscheint die Klappe, und welche Informationen werden dort eingeblendet?

Merke dir vor allem Punkt 4: Einfach überall Zahlen zu setzen hilft nicht. Erst die Referenzierungen oder eine textliche Funktionsbeschreibung machen daraus eine Funktionsliste, die jemand anderes umsetzen kann.

Der schnellste Weg für zwischendurch: Der Datenpunkt-Assistent in der GA-Coach App. Er nimmt dir genau diese Frage ab, welche Datenpunkte ein Betriebsmittel braucht, statt dass du raten musst.

Fazit

Teil 2 geschafft, und du hast jetzt vier Dinge in der Tasche: den Dreier-Satz der Auf/Zu-Klappe (BO + 2× BI, jeder als eigene Zeile), den Unterschied zur stetigen Variante (AO + AI), die Befehlsausführüberwachung (2.2.4) als Pflichtfunktion beim Schaltbefehl, und die Regel, dass die Motorsteuerung bei einer Klappe nichts zu suchen hat. Alles andere entscheidet sich über die Referenzierungen: Was gehört zusammen, und was wirkt auf was?

So geht die Serie weiter: In der nächsten Ausgabe von „Funktionsliste Schritt für Schritt” kommt Teil 3, das Ventil mit Stellantrieb. Da dreht sich alles um die Stellausgabe, und auch dort ist die Motorsteuerung nicht das Mittel der Wahl.


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