VDI 3814Funktionsliste

Funktionsliste und Funktionsbeschreibung: Wer beschreibt was?

· Dennis Wieczorek

Vorschaubild "Funktionsliste und Funktionsbeschreibung, VDI 3814 Blatt 4.3"

Eine echte Frage an die GA-Coach® KI: Muss ich die Funktionsbeschreibung für jede meiner 200 Pumpen schreiben? Die Antwort steckt in VDI 3814 Blatt 4.3, und sie spart dir viel Arbeit.

Diese Frage erreichte die GA-Coach KI. Sinngemäß:

„Ich habe in der Funktionsliste eine Pumpe mit Drehzahlregelung. Was schreibe ich dazu in die GA-Funktionsbeschreibung? Und muss ich das für jede Pumpe machen? Mein Objekt hat 200 Pumpen.“

Die kurze Antwort vorweg: Nein. Du schreibst die Beschreibung einmal und verweist darauf. Dafür nutzt du drei Dokumente, die zusammen die Aufgabe beschreiben.

Die Frage trifft einen Nerv. In meiner Auswertung der Fragen an die GA-Coach KI (Stand 2026, rund 3.850 Fragen) war die Funktionsbeschreibung mit 28 Prozent das größte Thema. In meinen Schulungen läuft an dieser Stelle am häufigsten etwas schief.

Was du in diesem Artikel lernst

  • Warum die Beschreibung oft dreimal geschrieben wird
  • Die drei Arbeitsmittel nach VDI 3814 Blatt 4.3
  • Eine Pumpe beschreiben, 200 Pumpen verweisen
  • Was im Vertrag stehen sollte
  • Fazit

Warum die Beschreibung oft dreimal geschrieben wird

Das Muster sehe ich immer wieder:

  • Erst kommt alles ins Automationsschema, jeder Hinweis, jede Bedingung, jede Ausnahme
  • Dann steht alles noch einmal in der Funktionsliste, bis die Bemerkungsspalte überquillt
  • Und zum Schluss wird alles ein drittes Mal in der Funktionsbeschreibung ausformuliert
  • Bei 200 Pumpen mit drei bis sechs Funktionen je Pumpe passt es in die Bemerkungsspalte ohnehin nicht mehr hinein

Die drei Arbeitsmittel nach VDI 3814 Blatt 4.3

VDI 3814 Blatt 4.3 nennt drei Arbeitsmittel, mit denen eine Automationsaufgabe beschrieben wird. Sie stehen gleichrangig nebeneinander.

GA-Automationsschema (GA-AS)

Das Bild der Anlage. Es zeigt, welche Anlagenteile und Datenpunkte es gibt und wie sie zusammenhängen. Hier siehst du, wo etwas automatisiert wird.

GA-Funktionsliste (GA-FL)

Die Tabelle. Je Datenpunkt eine Zeile, in den Spalten die GA-Funktionen, die dazugehören. Hier steht, welche Funktionen es gibt. Wie sie ablaufen, beschreibt die Funktionsbeschreibung. Für alles Weitere hat die Liste eine eigene Spaltengruppe: Spaltengruppe 4, Bemerkungen und Referenzierungen.

GA-Funktionsbeschreibung (GA-FBS)

Der Oberbegriff für alles, was beschreibt, wie die Anlage arbeitet. Laut Blatt 4.3 besteht sie aus einer textlichen Funktionsbeschreibung (in diesem Artikel kurz tFBS, ein eigenes Kürzel, das die Norm nicht verwendet) und/oder einer GA-Funktionsblockdarstellung (VDI 3814 Blatt 3.1, Blatt 3.2 in Vorbereitung). Ebenfalls mit „und/oder“ kommen GA-Zustandsgraphen und GA-Ablaufdiagramme (VDI 3814 Blatt 4.4, in Vorbereitung) hinzu.

Die Funktionsblockdarstellung kann zum Beispiel direkt im Automationsschema stehen oder auf einem eigenen Blatt.

Textliche Funktionsbeschreibung (tFBS)

Merk dir die Abkürzung: tFBS. Sie ist ein Teil der Funktionsbeschreibung. An ihre Form stellt Blatt 4.3 keine formalen Anforderungen. Vorgegeben ist nur die Sprache, die der Betreiber zu Projektbeginn festlegt.

Drei Arbeitsmittel nach VDI 3814 Blatt 4.3 nebeneinander: Automationsschema zeigt wo, Funktionsliste zeigt welche Funktionen mit der Spaltengruppe 4 für Verweise, Funktionsbeschreibung zeigt wie, bestehend aus textlicher Funktionsbeschreibung und/oder Funktionsblockdarstellung und/oder Zustandsgraphen und Ablaufdiagrammen. Darunter das Beispiel mit 200 gleichen Pumpen: In der Bemerkungsspalte 4.1 steht der Verweis auf die tFBS Kapitel 4.2 und die Aggregat-Kennung AGG_PPE_ST_AMEV1, beschrieben wird die Pumpe einmal.
Drei Dokumente, die zusammen die Aufgabe beschreiben, und der Verweis, der dir 199 Beschreibungen spart.

Eine Pumpe beschreiben, 200 Pumpen verweisen

Drei Fragen, die bei diesem Thema immer wieder kommen.

„Muss ich die Beschreibung für jede der 200 Pumpen schreiben?“

Nein. Die Richtlinie sieht vor, gleiche Pumpen gemeinsam zu beschreiben.

Lösung: In Abschnitt 8.2 von Blatt 4.3 steht es klar: Gleiche Anlagen oder Funktionen können übergeordnet beschrieben und referenziert werden. Du schreibst also ein Kapitel in der tFBS, das einmal beschreibt, wie diese Pumpen betrieben werden: wann sie freigegeben werden, woher die Drehzahlvorgabe kommt, was bei einer Störung passiert.

In der Funktionsliste steht bei jeder dieser Pumpen in der Bemerkungsspalte 4.1 dann nur noch der Verweis, zum Beispiel: siehe tFBS Kapitel 4.2. Diese Referenzierung sieht Blatt 4.3 für die Bemerkungsspalte vor, mit Verweis auf eine Blockdarstellung, eine Funktionsbeschreibung oder ein Ablaufdiagramm.

„Drehzahlregelung, das ist doch eindeutig?“

Leider nicht. Hier hilft der BACtwin.

Lösung: Die AMEV-Bibliothek kennt für die Pumpe zwei getrennte Aggregate. AGG_PPE_ST_AMEV1 ist der Antrieb Pumpe Stellbetrieb, zum Beispiel mit 0 bis 100 Prozent. AGG_PPE_SW_AMEV1 ist der Antrieb Pumpe Sollwertvorgabe, zum Beispiel für den Differenzdruck. Beide haben 19 Objekte. Sie unterscheiden sich in einem Signal: Das eine führt ein Stellsignal, das andere einen Differenzdruck-Sollwert. Schreib die Aggregat-Kennung in die Bemerkungsspalte, und zu jeder Kennung gibt es ein Kapitel in der tFBS oder sogar eine Funktionsblockdarstellung. Dann ist für alle 200 Pumpen klar, welche Variante gemeint ist.

„Schreibe ich die Beschreibung pro Anlage oder übergeordnet?“

Beides ist möglich, es hängt davon ab, wie sie genutzt wird.

Lösung: Blatt 4.3 verlangt eine einheitliche Struktur, zum Beispiel nach ASP oder nach Anlagentyp, und die Reihenfolge soll zu Automationsschema und Funktionsliste passen, damit sich die Dokumente gegenseitig referenzieren lassen. Sollen die Beschreibungen später anlagenbezogen in der Management- und Bedienebene eingeblendet werden, ist eine Beschreibung pro Anlage sinnvoll. Dann muss sie alles enthalten, was man zum Verständnis dieser Anlage braucht, und verweist für zentrale Funktionen auf die übergeordnete Stelle.

GA-Coach Tipp

Achtung beim Wort „Funktionsbeschreibung“ im Vertrag.

Wenn ihr den Leistungsumfang einer Planung festlegt, schaut genau hin: Steht dort nur „Funktionsbeschreibung“, und ist der Begriff irgendwo näher definiert?

Nach Blatt 4.3 kann eine Funktionsbeschreibung aus textlicher Beschreibung, Funktionsblockdarstellung und Zustandsgraphen oder Ablaufdiagrammen bestehen, verbunden mit „und/oder“. Der Auftraggeber erwartet womöglich alles davon. Kalkuliert habt ihr vielleicht nur die textliche Fassung.

Deshalb im Vertrag festhalten: nur die tFBS, oder zusätzlich Funktionsblockdarstellung und Zustandsgraphen. Dieses „und/oder“ führt in Schulungen am häufigsten zu Missverständnissen.

Fazit

Zurück zur Frage mit den 200 Pumpen. Du beschreibst die Pumpe einmal, sauber und vollständig, in der textlichen Funktionsbeschreibung. In der Funktionsliste verweist du darauf. Und im Automationsschema siehst du, wo sie sitzt.

Du hast eine eigene Funktionsliste und willst wissen, was in die Bemerkungsspalte und was in die Funktionsbeschreibung gehört? Die Vorlage zur Funktionsliste findest du kostenlos im Download-Bereich, deine Fragen kannst du in der GA-Coach App stellen.

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