BACtwinVDI 3814

Insider-Tipp: Wie mir der BACtwin bei der Funktionsliste hilft

· aktualisiert 15. Juni 2026 · Dennis Wieczorek

Wenn du nicht weißt, welche Datenpunkte zur Mindestausstattung eines Betriebsmittels gehören — die AMEV-BACtwin-Bibliothek schließt die Lücke zur VDI-3814-Funktionsliste.

Wenn du nicht weißt, welche Datenpunkte zur Mindestausstattung eines Betriebsmittels gehören — bist du nicht allein! Viele Fragen in meiner GA-Coach KI drehen sich um die Datenpunkte von Betriebsmitteln, z. B.: Welche Datenpunkte hat eine Kältemaschine? Was gehört zu einem KVS-System? Die AMEV-BACtwin-Bibliothek kann helfen und schließt die Lücke zur VDI-3814-Funktionsliste.

Du sitzt vor der Funktionsliste, eine Pumpe und ein Mischventil im Schema — und die Frage, die jeder kennt: Welche Datenpunkte gehören für dieses Betriebsmittel eigentlich wirklich rein?

Genau hier greife ich zum AMEV BACtwin. Nicht weil ich überall den BACtwin machen muss, sondern weil mir die Bibliothek, die von vielen Experten der Gebäudeautomation erarbeitet worden ist, die Ausstattung nach Stand der Technik schwarz auf weiß liefert — statt sie aus dem Bauch zu schätzen.

Viele sehen den AMEV BACtwin als zusätzliche Arbeit zur VDI 3814. Die Wahrheit ist das Gegenteil: Der AMEV BACtwin ist die Bibliothek für die VDI 3814 mit BACnet. Sie ergänzen sich — und heute zeige ich dir genau, wie.

Was du in diesem Artikel lernst: Problem · Begriffe · Beispiel Schema · Praxisszenen · Fazit

Problem

Die Funktionsliste nach VDI 3814 ist das Herz der GA-Fachplanung. Trotzdem entsteht sie in der Praxis oft so aus dem Bauch heraus:

  • Datenpunkte unklar — welche Datenpunkte ein Betriebsmittel braucht, steht nirgends griffbereit. Also wird gesucht, kopiert, geraten.
  • Funktionsliste aus dem Bauch — die Spalten, vor allem die Anwendungsfunktionen, werden geschätzt statt hergeleitet.
  • BACtwin als zusätzlicher Aufwand gesehen — dabei ist die AMEV-Bibliothek genau das Nachschlagewerk, das der VDI 3814 fehlt.
  • Lücke = Nachtrag — was in der Liste fehlt, fehlt in der Ausschreibung. Und taucht später als Nachtrag oder unbezahlte Mehrarbeit wieder auf.

Begriffe

Der BACtwin ist im Kern ein Baukasten aus drei Bibliotheken. Für die Funktionsliste sind zwei davon Gold wert. Wichtig vorab: Die Hierarchie ist immer Anlage → Baugruppe → Aggregat → Betriebsmittel → GA-Funktion.

Bibliothek 3 — die Aggregate (deine „Betriebsmittel”), Baugruppen und Anlagen

Rund 100 Standard-Aggregate-Templates für Pumpen, Ventile, Temperaturfühler und Co. Ein Aggregat bündelt die Objekte eines Betriebsmittels zu einer praxisgerechten Ausstattung an GA-Funktionen. Heißt konkret: Du weißt nicht, welche Datenpunkte zu einer Einzelpumpe gehören? Du schaust in Bibliothek 3 nach dem Pumpen-Aggregat — und hast eine Vorstellung.

Bibliothek 2 — die GA-Funktionen (dein „WIE”)

14 Arbeitsblätter, ein Objekt-Template je Funktion (AI, AO/AV, BI, BO/BV, Trend, Meldeklasse …). Jedes Template ist eine standardisierte GA-Funktion auf BACnet-Basis — mit Objekttyp, Properties und empfohlenen Parametern. Aufbau OBJ_FKT_Suffix_Version, z. B. AI_MW_T_H_WW_AMEV1. Genau diese referenzierten Objekte stecken in den Aggregaten aus Bibliothek 3.

GA-Funktion = eine Zeile deiner Funktionsliste

Nach VDI 3814 Blatt 3.1 ist eine GA-Funktion „eine spezifische Aufgabe oder typische Wirkung des GA-Systems”. In der Funktionsliste nach VDI 3814 Blatt 4.3 erscheinen die Datenpunkte als physikalische E/A (AI, AO, BI, BO), als Wert (AV, BV) oder als komplexes Objekt (Zeitplan, Trend, Meldeklasse). Diese findest du in der Bibliothek 2 des AMEV BACtwin wieder. Und nach VOB/C ist jede GA-Funktion eine Abrechnungseinheit. Die Objekte aus Bibliothek 2 sind also nichts anderes als die Zeilen und Spalten, die du sowieso füllen musst.

Beispiel Schema

Beispiel 1: Einfacher Heizkreis (HZK01) — Zuordnung zu BACtwin-Templates. Jedes reale Betriebsmittel bekommt sein Standard-Aggregat aus Bibliothek 3. Wo es keinen Standard gibt (der Heizkreis selbst), wird ein Projekt-Standard definiert: BGG_HZK1_NAME1.

Der AMEV BACtwin ist kein Zusatzaufwand, sondern die Bibliothek für die VDI 3814: Bibliothek 3 sagt dir, welche Datenpunkte ein Betriebsmittel braucht — Bibliothek 2 sagt dir, wie sie in der Funktionsliste heißen.

Praxisszenen

Schauen wir es uns am Schema oben an — dem einfachen Heizkreis HZK01.

Szene 1: Vom Schema zur Funktionsliste — in drei Griffen

Du nimmst das Anlagenschema und ordnest jedem realen Betriebsmittel sein Standard-Aggregat aus Bibliothek 3 zu. Aus dem Aggregat fallen automatisch die GA-Funktionen aus Bibliothek 2 — und das sind die Zeilen deiner Funktionsliste:

  • AGG_EF_AT_T_AMEV1 — Außentemperaturfühler: 1× Analoge Eingabe (AI, Messwert) → eine AI-Zeile.
  • AGG_EF_HT_T_AMEV1 — Vor- und Rücklauffühler (2×): je 1× Analoge Eingabe (AI) → zwei AI-Zeilen.
  • AGG_PPE_E1_AMEV1 — Heizungspumpe: typisch Schaltbefehl (BO), Betriebs- und Störmeldung (BI) → BO + BI.
  • AGG_VEN_ST_AMEV1 — stetiges Mischventil: Stellsignal (AO), optional Stellungsrückmeldung (AI) → AO (+ AI).

Die exakte, verbindliche Objektliste je Aggregat steht in den BACtwin-Tabellen — inklusive Varianten (z. B. mit/ohne Rückmeldung). Das hier ist die typische Mindestausstattung, um allen Anforderungen an technisches Monitoring etc. später gerecht werden zu können. Anpassungen und Abwahl einzelner Datenpunkte und Funktionen sind möglich: Du kannst ein sogenanntes Projekt-Aggregat in deinem Standard bzw. deiner Planung mit dem Bauherrn definieren.

Ergebnis: Schon dieser einfache Heizkreis bringt rund ein Dutzend Datenpunkte — und jeder einzelne ist aus der Bibliothek hergeleitet statt geschätzt. Das ist der Unterschied zwischen „belastbar kalkuliert” und „hoffentlich keine Nachträge”.

Szene 2: Wenn es kein Standard-Aggregat gibt

Aufgepasst beim Heizkreis selbst: Den gibt es in Bibliothek 3 nicht als fertiges Muster. Der Heizkreis ist eine Baugruppe und wird der Anlage „Verteilanlage” zugeordnet — aber es gibt keinen Standard dafür. Genau das zeigt das Schema mit BGG_HZK1_NAME1 und dem Hinweis „kein BACtwin Standard vorhanden”.

Lösung: Fehlt ein Standard, definierst du einen Projekt-Standard. Erkennbar am Suffix: _AMEV1 ist AMEV-Standard, _NAME1 ist dein Projekt-Standard. Die Aggregate innerhalb der Baugruppe bleiben dabei sauber AMEV-Standard — du baust nur die Hülle projektspezifisch. Wichtig: Diese Festlegung dokumentieren, damit das ganze Projekt dieselbe Sprache spricht.

Szene 3: Warum das deine Funktionsliste absichert

Weil GA-Funktionen nach VOB/C die Abrechnungseinheiten sind. Leitest du die Liste aus der Bibliothek her, passiert dreierlei: weniger Interpretationsspielraum, weniger vergessene Datenpunkte, weniger Nachtragspotenzial. Du diskutierst nicht mehr, ob der Pumpenstatus reingehört — die Bibliothek hat ihn längst gesetzt. Die VDI 3814 sorgt für die saubere Beschreibung, der BACtwin für die standardisierte Vorlage. Beide zusammen ergeben eine Funktionsliste, die im Streitfall hält.


GA-Coach Tipp

Hol dir die Original-Quelle. Der AMEV BACtwin ist herstellerneutral, Open Source und kostenfrei. Die komplette Bibliothek (Aggregate, Objekt-Templates, Arbeitskarten) gibt’s direkt beim AMEV:

So kommst du an die Tabellen: Das ZIP beim AMEV herunterladen, entpacken — und darin liegen alle BACtwin-Bibliotheken (Bibliothek 2 + 3) als Excel-Tabellen. Genau dort schlägst du Aggregate und GA-Funktionen Zeile für Zeile nach.

So nutzt du sie für die nächste Funktionsliste:

  • Unbekanntes Betriebsmittel? Erst in Bibliothek 3 das passende Aggregat suchen (Pumpe, Ventil, Fühler …).
  • Die enthaltenen Objekte (= GA-Funktionen aus Bibliothek 2) eins zu eins als Zeilen deiner Funktionsliste übernehmen.
  • Kein Standard vorhanden? Projekt-Aggregat oder -Baugruppe (_NAME1) anlegen und dokumentieren.

Werkzeug-Tipp: Den BACtwin-Workflow Schritt für Schritt — von den Aggregat-Templates bis zur GA-Funktionsliste — lernst du in der GA-Coach App.

PRO-Tipp: Für echte Profis gibt es die GA-Coach PRO Variante mit Datenpunkt-Assistent, Arbeitsmitteln, speziellen Lernmodulen und Quizzen zum AMEV BACtwin.

Fazit

Rate deine Funktionsliste nicht wie bisher zusammen — leite sie her, mit belastbarer Grundlage. Bibliothek 3 sagt dir, welche Datenpunkte zur Ausstattung eines Betriebsmittels gehören. Bibliothek 2 sagt dir, welche GA-Funktionen das in der Funktionsliste sind. Der Gap zwischen AMEV BACtwin und VDI 3814 wird somit gebrückt. Eine echte Arbeitserleichterung.

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