3 Fragen, die GA-Planer immer wieder stellen

Normen, Grundleistungen, Kennzeichnung — die 3 Webinar-Fragen, praxisnah beantwortet, mit To-dos fürs nächste Projekt.

Letzte Woche stand ich im Live-Webinar bei ICONAG vor über 100 von euch — Thema: AMEV BACtwin trifft VDI 3814 Fachplanung. Danke für die vielen Fragen im Chat und die Diskussion danach auf LinkedIn.

Eins ist mir aufgefallen: Es kamen immer wieder dieselben drei Fragen. Zu den Normen. Zu den Grundleistungen. Zur Kennzeichnung.

Die Antworten sind kein Hexenwerk — aber sie entscheiden, wer im Projekt sauber dasteht und wer am Ende Nachträge schreibt. Hier sind sie: ausführlich, mit konkreten To-dos. Für alle, die dabei waren, und alle, die es verpasst haben.

Was du in diesem Artikel lernst

  • Wo GA-Projekte Geld verlieren
  • Begriffe
  • Praxisszenen
  • Fazit

Wo GA-Projekte Geld verlieren

Diese drei Punkte steckten in fast jeder Frage — und genau hier verlieren GA-Projekte Geld und Nerven. Der Reihe nach:

  • Normen-Wirrwarr — VDI 3814, ISO 16484, VOB/C: Wer regelt was? Wer das verwechselt, plant nach der falschen Logik.
  • Grundleistung vs. besondere Leistung — Planer liefern entweder zu viel (unbezahlt) oder zu wenig (Nachtrag droht). Beides kostet.
  • Kennzeichnung ohne Vorgabe — der Auftraggeber gibt kein System vor, der Planer erfindet eins, am Ende passt nichts zusammen.

Begriffe

Frage 1 drehte sich fast immer um die Normen: „Warum überhaupt VDI 3814, wenn es doch die ISO 16484 gibt?" Drei Dokumente, drei Aufgaben — dein roter Faden als Planer ist die VDI 3814. Die ganze Einordnung steht in meinem Artikel zu HOAI, VOB und VDI 3814.

VDI 3814 — die deutsche Planungsrichtlinie

Ihr großer Vorteil: Sie denkt in Leistungsphasen und sagt dir, wer wann was liefert — passend zu den HOAI-Phasen LP1–LP9. Das macht sie in der deutschen Praxis unverzichtbar. Must-know: Sie ist die einzige der drei, die Planung prozessual beschreibt — von der Bedarfsplanung bis zum Betrieb.

DIN EN ISO 16484 — das internationale Fundament

Die BACS-Norm definiert, was ein Gebäudeautomationssystem technisch können muss: Funktionen, Datenpunkte, Systemarchitektur. Aber sie kennt weder Leistungsphasen noch die deutsche Vertragslogik. Gutes Fundament — keine Planungsanleitung.

VOB/C (ATV DIN 18386) — die vertragliche Klammer

In den meisten GA-Verträgen ist die VOB/C die Abrechnungsgrundlage für Kosten und Leistungen. Das technische WAS definiert sie aber nicht selbst — dafür verweist sie zurück auf ISO 16484 und VDI 3814. Und sie ist in die Jahre gekommen: Verlass dich bei der Planungstiefe nicht allein auf sie.

Die ISO 16484 sagt auf internationaler Meta-Ebene, WAS ein GA-System können soll. Die VDI 3814 macht daraus den deutschen Stand der Technik: was umzusetzen ist — und wann von wem. Die VOB/C ist die vertragliche Abrechnungsgrundlage und verweist für das WAS zurück auf ISO und VDI.

Praxisszenen

Die beiden anderen Fragen kamen direkt aus der Praxis — und sind die eigentlichen Geld-Themen. Hier die Antwort plus das, was du konkret tun solltest.

Frage 2: Was schulde ich als Fachplaner wirklich?

Der häufigste Irrtum: Planer glauben, sie müssten alles abliefern — oder umgekehrt zu wenig. Klartext zur Abgrenzung:

  • Auftraggeber-Sache (keine Grundleistung von dir): Bedarfsplanung, Lastenheft und das Vorgeben des Kennzeichnungssystems.
  • Deine Grundleistung: die Anwendung dieser Vorgaben — das vorgegebene Kennzeichnungssystem konsequent in Funktionsliste und Planung umsetzen.
  • Besondere Leistung (kostet extra): wenn du bei AG-Aufgaben einspringst — ein Kennzeichnungssystem empfiehlst oder ausarbeitest, die Bedarfsplanung mitgestaltest, ein Lastenheft formulierst.

Antwort: Trenne sauber, was AG-Sache ist und was du schuldest. Springst du bei einer AG-Aufgabe ein, ist das eine besondere Leistung — vereinbart und vergütet, nicht nebenbei.

To-do: Schreib im Angebot ausdrücklich rein, welche besonderen Leistungen du erbringst. Was nicht vereinbart ist, wird später zum Nachtrag — oder zu unbezahlter Arbeit.

Frage 3: Kennzeichnungssystem — wer ist verantwortlich?

Die zweite große Frage im Webinar. Klare Antwort: Die Vorgabe kommt vom Auftraggeber — AKS, BKS und BAS nach VDI 3814 Blatt 4.1. Der Fachplaner wendet an, er erfindet kein eigenes System.

Kurz sortiert, weil die drei ständig verwechselt werden:

  • AKS — Anlagenkennzeichnung: nur die Anlage (Liegenschaft, Gebäude, Gewerk, Anlagenart, -nummer). Kein Betriebsmittel, keine Funktion.
  • BKS — Betriebsmittelkennzeichnung: der Teil mit dem Betriebsmittel, oft mit Ortsbezug. Wichtig auch für andere Gewerke wie Elektro.
  • BAS — Benutzeradressierung: die vollständige, sprechende Adresse inklusive Funktion und Datenpunkt. Wer „AKS" sagt, meint meistens genau das.

Das Problem in der Praxis: Der Auftraggeber gibt nichts vor. Was dann?

Antwort: Fordere die Vorgabe aktiv ein und dokumentiere das schriftlich. Fordert der AG ein System, müssen sich auch alle anderen Gewerke daran halten — nicht nur du. So spricht das ganze Projekt dieselbe Sprache.

To-do: Kein System vom AG? Dann (1) schriftlich anfragen, (2) eine belastbare Grundlage vorschlagen — VDI-3814-Kennzeichnung oder AMEV BACtwin, als besondere Leistung —, (3) die Festlegung protokollieren. Tiefer drin steckt mein BAS-Artikel.

GA-Coach Tipp

Deine 5 To-dos fürs nächste GA-Projekt:

  • VDI 3814 im Vertrag als verbindliche Planungsgrundlage benennen — nicht nur „nach Stand der Technik".
  • Grund- und besondere Leistungen im Angebot klar trennen und einzeln benennen.
  • Kennzeichnungssystem (AKS/BKS/BAS) früh beim Auftraggeber einfordern — schriftlich.
  • Liegt nichts vor: VDI-3814-Kennzeichnung oder BACtwin vorschlagen und die Festlegung protokollieren.
  • Dokumentationsstruktur nach VDI 6026 aufsetzen, damit Planung und Betrieb zusammenpassen.

Den direkten Leistungsphasen-Vergleich und fertige Vorlagen findest du in der GA-Coach App.

Fazit

Die meisten Streit- und Nachtragsthemen in GA-Projekten entstehen nicht in der Technik — sondern an der Frage, wer was schuldet. Normen sauber einordnen, Leistungen klar abgrenzen, Kennzeichnung früh festzurren: Das sind keine Formalien. Das ist deine Absicherung.

Strukturiert planen mit der GA-Coach App

Datenpunkte erfassen, BACtwin-Standard anwenden, Funktionsliste aufbauen.

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