GA-Planung nach VDI 3814 – und wie der AMEV BACtwin sie konkret macht

Was gehört zu einer GA-Planung nach VDI 3814 – was kommt vom Auftraggeber, was schuldet der Planer? Und wie der AMEV BACtwin diese Anforderungen erfüllt. Das Recap zum ICONAG-Webinar.

Am 5. Juni 2026 war ich zu Gast im ICONAG-Webinar. Über 100 Teilnehmer, viele Fragen, viel Diskussion danach auf LinkedIn. Zwei Fragen standen im Mittelpunkt – und die beantworte ich hier zum Nachlesen, für alle, die dabei waren, und alle, die es verpasst haben:

Was du in diesem Artikel mitnimmst

  • Teil 1: Was zu einer GA-Planung nach VDI 3814 gehört – und wer was liefert.
  • Teil 2: Wie der AMEV BACtwin die VDI-3814-Forderungen erfüllt – ergänzt, ersetzt nicht.

Die Kurzfassung vorweg: Der BACtwin ersetzt die VDI-3814-Fachplanung nicht. Er macht sie konkret und prüfbar.

Teil 1: Was gehört zu einer GA-Planung nach VDI 3814?

Die VDI 3814 ist keine Funktionsliste – sie ist ein Prozess

Das ist die größte Fehlannahme. Die VDI 3814 ist die Richtlinienreihe der Gebäudeautomation (Blatt 1–6). Sie ergänzt die internationale DIN EN ISO 16484 um die deutschen Eigenheiten: Leistungsphasen und Abläufe.

Ihre Kernbotschaft: Sie beschreibt keine Datenpunktliste, sondern einen durchgängigen Weg – von der Betreiberanforderung bis zum Betrieb:

Betreiberanforderung → Planung → Funktionen → Arbeitsmittel → Ausführung → Übergabe → Betrieb

Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf. Wer die Anforderungen des Bauherrn kennt und Funktionen und Arbeitsmittel sauber plant, bekommt am Ende eine Gebäudeautomation, die sich ausführen, übergeben und betreiben lässt – nicht nur eine Datenpunktliste, die keiner wirklich versteht.

Was kommt vom Auftraggeber?

Vor der ersten Funktion steht die Anforderung des Bauherrn. Diese Dokumente sind Sache des Auftraggebers und müssen vor der Fachplanung vorliegen. Nach HOAI sind sie eine besondere Leistung – keine Grundleistung des Planers:

  • Bedarfsplanung & Betreiberkonzept (Blatt 2.1, LP0): Was soll die Gebäudeautomation leisten? Das Betreiberkonzept ist die Vorgabe für die gesamte Planung.
  • GA-Lastenheft: die Anforderungen des AG, erstellt vor Planungsbeginn.

Optional kann der Auftragnehmer ein GA-Pflichtenheft erstellen – die verbindliche Umsetzungsdarstellung unter Beachtung des Lastenhefts.

Fehlt das alles, fehlt der Planung die Grundlage. Nur mit Betreiberkonzept und Lastenheft kann der Fachplaner auf die individuellen Bedürfnisse des Bauherrn reagieren.

Was muss der Planer umsetzen – und oft vernachlässigt wird

Eine Sache wird in der Praxis ständig übersehen: das Anwenden eines vorhandenen Kennzeichnungssystems. Die Vorgabe kommt vom Auftraggeber. Die konsequente Anwendung ist Grundleistung des Planers – kein Extra.

Das Kennzeichnungssystem nach VDI 3814 Blatt 4.1 hat drei Ebenen, die sich über die Leistungsphasen aufbauen:

  • AKS – Anlagenkennzeichnung: bis zur Anlage, ab LP2
  • BKS – Betriebsmittelkennzeichnung: die Betriebsmittel-Ebene, ab LP3
  • BAS – Benutzeradresse der GA-Funktion: die vollständige Adresse, ab LP5

So sieht eine vollständige Benutzeradresse aus:

K_HG_01_L_VKA01_BSK01_RM_01

→ Klinik am Eichert · Hauptgebäude · ASP 01 · Lüftung · Vollklimaanlage 01 · Brandschutzklappe 01 · Rückmeldung 01

Die Kennzeichnung vervollständigt sich also über die Leistungsphasen – und orientiert sich an den Anforderungen des Betreibers. Wer tiefer einsteigen will: Das habe ich im BAS-Artikel ausführlich aufgeschrieben.

Die Bausteine: GA-Funktionen und Arbeitsmittel

Der kleinste Baustein der Planung ist die GA-Funktion (Blatt 3.1). Sie gliedert sich in drei Teile:

  1. E/A-Funktionen – physikalische Ein-/Ausgaben, Werte- und komplexe Funktionen
  2. Anwendungsfunktionen – Logik, Verriegelung, Überwachung, Steuerung, Regelung, Optimierung
  3. B-/A-Funktionen – Bedienen, Anzeigen, Melden, Trends und Historie

Jede GA-Funktion ist herstellerneutral, eindeutig messbar und Abrechnungseinheit nach VOB/C – die gemeinsame Sprache von Planung und Ausschreibung. Die GA-Funktionsmakros (Blatt 3.2) bündeln Standardfunktionen zu einem wiederverwendbaren Baukasten.

Sichtbar – und damit prüf- und ausführbar – wird die Planung erst durch die Arbeitsmittel (Blatt 4.3): GA-Automationsschema, GA-Funktionsliste und GA-Funktionsbeschreibung.

Die Bestandsliste: Was am Ende auf dem Tisch liegt

Eine vollständige GA-Planung nach VDI 3814 umfasst unter anderem:

  • GA-Betreiberkonzept
  • GA-Lastenheft
  • Geräte- & Planungsanforderungen
  • GA-Funktionsliste
  • GA-Automationsschema
  • GA-Funktionsbeschreibung
  • Kennzeichnungssystem (AKS/BKS/BAS)
  • Datenpunkt- & Funktionsdefinition
  • GA-Leistungsverzeichnis

Das Ergebnis ist mehr als eine Datenpunktliste – es ist eine vollständige, herstellerneutrale und prüffähige Beschreibung der Gebäudeautomation.

Teil 2: Wie erfüllt der AMEV BACtwin die VDI-3814-Forderungen?

Sind die Anforderungen definiert, stellt sich die nächste Frage: Womit setze ich sie möglichst effizient um? Hier kommt der AMEV BACtwin ins Spiel. Im Webinar haben wir neun zentrale VDI-3814-Anforderungen mit dem BACtwin abgeglichen – Anforderung für Anforderung.

Das Ergebnis ist eindeutig: Acht von neun Anforderungen sind Ergänzung, Detaillierung oder Verstärkung. Nur an einer Stelle – beim BAS – gibt der BACtwin etwas fest vor.

Der Vergleich auf einen Blick

VDI-3814-Anforderung Blatt Was der BACtwin liefert Verhältnis
Betreiberanforderungen / Betreiberkonzept 2.1 Betreibervorgabe (Tab. 27, >40 Punkte) Ergänzung
BAS – Kennzeichnung & Adressierung 4.1 Maschinenlesbarer BAS (Orts- + Funktions-BAS) Ersetzung (Sonderfall)
GA-Funktionsliste / GA-Funktionen 3.1 + 4.3 Templates liefern Funktionslisten-Einträge Ergänzung / Detaillierung
GA-Automationsschema 4.3 Struktur anschlussfähig, SV-Objekte Gemeinsamkeit
Hardware- / Geräteanforderungen 2.2 AMEV-Profile AS-C/AS-D, Template-Hardware Ergänzung
GA-Makrofunktionen 3.2 + 3.2.x Standard-Templates für Aggregate, Baugruppen, Anlagen Detaillierung
Dokumentation / Datenaustausch 4.1 / 4.3 BACtwin-Listen, maschinenlesbar Ergänzung
Prüfbarkeit übergreifend Soll-Ist-Abgleich, SV-Objekte (AS-D) Neuer Mehrwert
Qualität übergreifend Standardisierung + Neutralität, prüfbar Verstärkung

Der Sonderfall: der BAS

Der einzige Punkt, an dem der BACtwin ersetzt statt ergänzt: Der BACtwin-BAS baut auf dem VDI-BAS (Blatt 4.1) auf, macht ihn aber maschinenlesbar – Object_Name mit mindestens 64 Zeichen, Description mit mindestens 255 Zeichen, eine UUID je BAS-Block – und tritt in der Praxis an die Stelle des VDI-Vorschlags.

Der Aufbau: Orts-BAS (legt der Bauherr fest) + Funktions-BAS (kommt aus der BACtwin-Bibliothek).

Wichtig – und das wird gern überlesen: Auch der BACtwin-BAS ist nicht starr. Er muss im Projekt bzw. im Betreiberkonzept festgelegt werden.

Der eigentliche Mehrwert: Prüfbarkeit

Der größte Zugewinn entsteht bei der Prüfung. Klassisch wird dokumenten- und stichprobenbasiert geprüft – ein durchgängig maschinenlesbares Soll-Modell gibt es nicht.

Der BACtwin liefert genau dieses Soll-Modell: Templates plus definierte Properties, gegen die sich die Ausführung automatisiert abgleichen lässt. Soll-Ist-Abgleich mit BACnet-Prüftools, SV-Objekte (AS-D) für GA-Massendaten, „zu prüfende Properties" je Template. So lässt sich die Fachplanung früh gegen das Betreiberkonzept und später die Ausführung gegen die Fachplanung prüfen – ein frühzeitiges Warnsystem statt einer bösen Überraschung bei der Abnahme.

Ehrlich bleiben: die Grenzen

Zwei Dinge gehören zur Wahrheit dazu:

  • Nicht alles lässt sich 1:1 maschinell prüfen. Die Funktionstiefe – etwa die Regelgüte – bleibt eine Planungsentscheidung.
  • Die Werkzeuge sind noch nicht überall perfekt. Der durchgängige digitale Datenfluss ist ein Weg, kein fertiger Zustand.

Fazit: ergänzt, ersetzt nicht

Zwei Sätze fassen das Webinar zusammen:

  • Eine GA-Planung nach VDI 3814 ist ein durchgängiger Prozess – von der Betreiberanforderung bis zum Betrieb, mehr als eine Datenpunktliste.
  • Der AMEV BACtwin ersetzt diese Fachplanung nicht. Er macht sie konkret, standardisiert und prüfbar.
VDI 3814 sagt, WAS zu tun ist.
Der BACtwin liefert das WIE.
Die Entscheidungen triffst weiterhin du.

Tiefer einsteigen

Danke an ICONAG für die Einladung und an alle, die live dabei waren und so engagiert gefragt haben.